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Wikifolio-Update (Woche vom 31.01./07.02.2022)

Performance-Vergleich

Vergangene Woche stand vor allem im Zeichen der Delivery Hero – Zahlen. Diese sind negativ beim Ergebnis und neutral bei Umsatz und Wachstum ausgefallen, doch das reicht in der aktuellen Stimmungslage bereits, um einen heftigen Absturz auszulösen. Meine ausführlich Einordnung habe ich in den beiden Artikeln Delivery Hero Q4-Zahlen und Delivery Hero-Update dargelegt. Der Rückgang führte auch im Wikifolio zu einer negativen Entwicklung . In den vergangenen Wochen verlor unser Wikifolio 15,1%, von 262,53€ ging es auf 222,80€. Der Vergleichsindex CDAX verlor 0,1%. Damit liegt die Underperformance aktuell bei 27,3% seit Jahresbeginn (YTD: -31,0% Wikifolio; -3,7% CDAX).

Uber: Q4-Zahlen

In der vergangenen Woche hat ebenfalls Uber seine Q4-Zahlen vorgelegt. An diesen sieht man die weiter voranschreitende Erholung im Mobility-Segment seit dem Einbruch infolge der Corona-Krise und die weiterhin positive Entwicklung im Delivery-Segment. Insgesamt sind die Buchungszahlen auf knapp 26 Mrd. $ in Q4 gestiegen.

Davon sind knapp 11 Mrd. $ dem Mobility-Segment zuzuordnen (+67%), welches noch rund 30% Wachstum vor sich hat, um wieder das vor-Corona-Niveau zu erreichen. Das Mobility-Segment ist zudem seit einigen Jahren hochprofitabel und generiert aktuell über 500 Mio. $ AEBITDA pro Quartal – dieser Wert könnte sich bereits zum Ende des nächsten Jahres 1 Mrd. $ AEBITDA pro Quartal annähern. Langfristig will Uber in diesem Segment über 10% operative Marge erzielen.

Auch das Delivery-Segment (Essens- und Lebensmittellieferungen) hat zum ersten Mal ein positives Segmentergebnis erzielt und wächst weiterhin trotz der sehr hohen Vergleichszahlen mit 33% YOY. In der Vergangenheit konnte man hohe Effizienzgewinne erzielen und erzielt in den besten Märkte bereits über 5% AEBITDA im Vergleich zum Bruttowarenwert – dies zeigt auch im Hinblick auf Delivery Hero (die ebenfalls ein langfristiges Ziel von 5% – 8% haben), dass dies tatsächlich ein realistischer Zielwert ist.

Auch für 2022 erwartet Uber weiteres Wachstum vor allem im Mobility-Segment, sowie ein deutlich positives AEBITDA und Cashflow für das Gesamtjahr. Zudem hat man auf dem Investorentag bereits ein Ziel für 2024 veröffentlicht, dann will man rund 5 Mrd. $ operativen Gewinn erzielen (dies entspricht 3% operativer Marge), was weiterhin deutlich Potential bis zum langfristigen Ziel lässt (>7% vom Buchungsvolumen).

Ich freue mich über jede Bewertung, Anmerkung und Kritik:
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Dieser Beitrag hat 23 Kommentare

  1. Jan

    Hallo Basti,
    Ich bin sehr auf die HelloFresh Quartalszahlen gespannt. Kann mir aber vorstellen, dass erhöhte Investitionen und eine Marge die weiter unter Druck gerät kurzfristig nochmal eine gute Nachkaufgelegenheit erzeugen kann. Bin auf den Ausblick gespannt. Wie ist die Preissetzungsmacht in Zeiten der Inflation und was erwartet das Management nach der Pandemie. Worauf wirst du du dich bei den Quartalszahlen fokussieren? Vielen Dank.

    1. Bastian Brach

      Moin Jan,

      das Management hat die Prognose ja bereits recht stark eingeschränkt (rund 60% Umsatzwachstum und 9% op. Marge), daher rechne ich dort nicht mit besonderen Überraschungen. Allerdings könnten Aussagen zur Marge gerade im aktuellen Umfeld besonders beachtet werden. Das man das Ziel aus dem Dezember jetzt bereits verändert halte ich für unwahrscheinlich. Ich bin gespannt auf die Aussagen zum Marktstart in Italien und Japan (sowie weitere geplante Expansionen), die Reaktion der Kunden auf jüngste Preiserhöhungen und die generelle Entwicklung der Kostenfaktoren.

      Q1 wird dann für mich jedoch noch einmal deutlich interessanter, denn dort sieht man auch in den Zahlen, wie sich die Preiserhöhungen auf die Kunden- und Orderzahlen sowie die Marge ausgewirkt haben.

      VG Basti

  2. Peter

    Hallo Basti,
    Interessant. Wie sehen denn deine aktuellen Modelle bezüglich Marge in Q1 aus mit den Preisänderungen inkludiert?

    1. Bastian Brach

      Moin Peter,

      das ist so kurzfristig schwer zu sagen, da dies stark vom Zeitpunkt der Preisänderung, der Reaktion der Kunden, dem Ramp-Up der neuen Länder und den weiteren Kostenfaktoren abhängt.
      Ich gehe jedoch davon aus, dass mittelfristig wieder eine Deckungsbeitragsmarge von rund 30% erreicht werden kann (lag im Jahr vor Corona bei 29%), allerdings noch nicht im Jahr 2022 (hier eher rund 25%).

      Die AEBITDA-Marge wird dieses Jahr vom Vorstand auf gut 7% geschätzt, das ist ebenfalls meine Prognose. Ab 2023 sollte diese dann jährlich im Schnitt 1 Prozentpunkt steigen.

      Im Übrigen könnten die aktuell gestiegenen Lebensmittel- und Logistikpreise Hellofresh sogar langfristig enorm weiterhelfen. Diese könnten nämlich dazu führen, dass viele kleinere Kochboxenunternehmen (die mit deutlich niedrigerer Marge operieren) aufgeben müssen, während HF zwar ebenfalls 1-2 Jahre auf etwas Marge verzichten muss, dafür aber seine Marktmacht ausbaut und zudem einen Teil der alten Kunden der Konkurrenz akquirieren kann.

      VG Basti

  3. FC B

    Basti, vor einem Monat hast du Vonovia gekauft (48 EUR); gestern hast du Vonovia wieder verkauft für 47 EUR.
    Schreibst du dazu noch was? Seit ein paar Monaten sind die Transaktionen halt irgendwie etwas „schwierig“…

    1. Bastian Brach

      Moin,

      Verkaufsentscheidungen von dem Kaufkurs abhängig zu machen ist ein typischer kognitiver Fehler. Ob man eine Aktie verkauft sollte man nur von den aktuellen Aussichten und möglichen anderen aussichtsreichen Aktien abhängig machen. Ich hab Vonovia gekauft um in der unsicheren Phase erstmal auf stabile Werte zu setzen. Trotz des starken Verfalls hat Vonovia in der Zeit gerade mal 2% verloren, während viele andere Werte deutlich stärker verloren haben. Jetzt habe ich das Geld für andere Werte benötigt und Vonovia verkauft, die relativ am besten gelaufen sind.

      Hier nochmal ein Beispiel: Ein Portfolio besteht nur aus 2 Werten (Aktie A und Aktie B), die anfangs 100€ wert sind. Bei beiden erwartet man in einem Jahr einen Kurs von 150€. Wenn jetzt Aktie A auf 80€ fällt und Aktie B auf 60€ (während sich bei beiden fundamental nichts verändert hat), dann macht es absolut Sinn Aktie A zu verkaufen um Aktie B mit nachzukaufen – der Einstandspreis ist völlig irrelevant und unbedeutend.

      VG Basti

  4. Ullrich

    „…Ich hab Vonovia gekauft um in der unsicheren Phase erstmal auf stabile Werte zu setzen….“

    Darin stecken gleich mehrere fatale Aussagen:
    1. Vonovia ist keine e-Commerce Aktien.
    2. Es gab für Vonovia mehrere Kauftermine. U.a. im Oktober 2021. Damals wurde derade der rot-grün-rote Senat in Berlin ins Amt gehoben, der Vonovie – gegen Enstchädigung – die Wohnungen abnehmen wollte. Das war ein wesentliches Motiv damals, nicht eine bevorstehende Martschwäche.
    3. Wenn die Zeiten erkennbar rauher werden: Warum sich dann nicht von einem Teil des Bestandes trennen und Cash aufbauen? Die Kaufkurse spielen ja keine Rolle.

    Mit dieser Aussage kann man jedenfalls nicht mehr behaupten, der Wertverfall des wikifolios kam völlig überraschend!

    1. Bastian Brach

      Moin Ullrich,

      ich habe nicht alle Aussagen von dir verstanden, aber versuche trotzdem mal zu antworten.

      1. Vonovia ist ein konsumentennahes Unternehmen (vermietet Wohnungen direkt an Privatleute), passt daher genau in die Anlagestrategie des Wikifolios, die zwar prädestiniert für E-Commerce-Unternehmen, jedoch nicht ausschließlich darauf setzt.
      2. Das Argument verstehe ich nicht ganz, die Aktie im Oktober bei 51€ kaufen zu müssen. Seitdem hat sich die Lage des Unternehmens nur geringfügig verändert, wieso war dann im Oktober zu 51€ ein Kaufkurs und 3 Monaten später bei 48€ plötzlich nicht mehr.
      3. Es kann eine Strategie sein, sich bei aufkommenden Risiken von Aktien zu trennen. Allerdings habe ich bereits mehrfach erklärt, wieso ich bei Kursrückgängen nicht automatisch verkaufe. Im Nachhinein mag es immer ganz logisch zu erscheinen, wann man auf Hochpunkt verkaufen sollte und dann später am Tiefpunkt wieder einsteigen sollte. Nur in dem Moment weiß man es eben nicht. Ob es wirklich sinnvoll ist auf eine strikte Absicherungsstrategie bei Risiken zu setzen, ist zudem mehr als fraglich. Dirk Müller hat mit diesem Konzept Hunderte Millionen eingesammelt und gehört zu den schlechtesten Fonds der letzten Jahre. Allerdings nicht weil Dirk Müller keine Ahnung hat oder dumm ist, sondern weil es schlicht und ergreifend fast unmöglich ist risikolos in Aktien zu investieren. Wer Angst vor dem Risiko hat für den sind Anleihen und Bankguthaben wohl besser geeignet.

      VG Basti

    2. Tass

      3. Wenn die Zeiten erkennbar rauher werden: Warum sich dann nicht von einem Teil des Bestandes trennen und Cash aufbauen?

      Alles sehr kurzfristiges Denken. Buffett hat auch nie Coca Cola verkauft nur weil in Staat X Krieg war. Gute Firmen überleben immer schlechte Zeiten. Ich würde sogar sagen, dass sie dann ihren Vorsprung leichter ausbauen können was lang (nicht kurzfristig) zu stärker steigenden Kursen führt.

      Ich kaufe immer nach zu schlechteren Kursen. Hellofresh zu 45. Was für ein Megaschnäppchen. Glaube ich nicht, dass das lang bleibt. [keine Anlageempfehlung]

  5. Bernd

    Lieber Basti,

    ich bin im Allzeithoch deines Portfolios eingestiegen und habe hier eine Performance von -47%.
    Das ist natürlich blöd gelaufen für mich.
    Ich hoffe nur, du bleibst am Ball und kümmerst dich weiterhin liebevoll um dein Portfolio, damit wir aus diesem Loch wieder rauskommen.

    1. Bastian Brach

      Moin Bernd,

      das tut mir aufrichtig Leid für dich. Falls es dir hilft: Ich sitze im selben Boot und hab ein Großteil meines Kapitals im Wikifolio und den darin enthaltenen Aktien investiert. Ich hab also größtes Interesse daran, dass es wieder aufwärts geht.

      Daher kannst du dir sicher sein, dass ich das Wikifolio genauso wie seit Beginn betreuen werde.

      VG Basti

  6. Franz

    Hallo Bastian, wie gehst du eigentlich mit so Positionen wie Auto1 um? Ich mein wir sind hier über 70 % im Minus. Da kann man ja jetzt kaum sagen, naja, war halt ein Fehler. Weil das wirst du doch auch einsehen, dass irgendwas an Deinem Model FV zu bestimmen einfach nicht passt oder?

  7. Torsten

    Hallo Bastian, eines muss ich jetzt aber auch mal loswerden. Du schaust anscheinend oftmals nur zu und arbeitest rein gar nicht mit Stopps. Wie mein Schreiber vor mir muss Du doch einsehen das gewisse Aktien wie Auto1 mit mehr als 70% Buchverlust nicht tragbar sind für ein Depot und auch andere Aktien wo Du tolle Gewinne gemacht hast gibst Du diese völlig wieder ab siehe Home24,Westwing, Ich befürchte das neben Delivery Hero auch Hellofresh noch deutlich unter die Räder kommen könnte. Eine Aktie wo noch minimal Spreck dran ist. Dein wiki ist jetzt wieder auf dem Stand von VOR Corona und das ist nicht schön als investierter Aktionär. Die Märkte haben ja noch nicht einmal im Ansatz größer korrigiert. Sollte das noch kommen dürfte dein wiki (mein Invest) noch weiter deutlich nachgeben. Ich glaube momentan auch nicht mehr dran das deine Hochs in den kommenden Jahren nochmals erreichbar werden leider.Bin hin und her gerissen was ich machen soll. Diese Tatenlosigkeit macht mich ratlos. Entschuldige für meine doch deutlicheren Worte aber das musste mal raus.

    1. Bastian Brach

      Moin Torsten,

      ich fasse hier noch einmal meine Strategie zusammen:

      1. Unternehmen finden, die in strukturell wachsenden Märkten gut positioniert sind und ihre Wachstumsambitionen bereits unter Beweis gestellt haben
      2. Langfristiges Margenziel ermitteln, indem die aktuelle Margenstruktur und mögliche Effizienzsteigerungen analysiert werden
      3. Aus zukünftigem Wachstum und Margenziel eine faire Bewertung ermitteln
      4. Regelmäßig prüfen, ob die Punkte 1. und 2. Weiterhin erfüllt sind, ggf. faire Bewertung anpassen oder Position verkaufen

      Dies war seit Beginn an die Strategie und diese habe ich auch immer wieder betont. Es geht darum Unternehmen zu finden, die unter ihrem zukünftigen Wert notieren. Wieso Stop-Loss-Orders hier nicht helfen und der Strategie langfristig sogar schaden können, ist in diesem Artikel beispielsweise gut erläutert: https://www.capital.de/geld-versicherungen/der-quatsch-mit-der-stop-loss-order.

      Wenn ich auf Stop-Losses gesetzt hätte, dann wäre ich beispielsweise auch März 2020 in allen Positionen ausgestoppt worden und wäre wohl erst wieder eingestiegen, nachdem sich die Lage beruhigt hätte (nachdem Corona bzw. die Rezession halbwegs überstanden wäre – Ende 2020), nur um dann Anfang 2021 wieder ausgestoppt zu werden. Wer eine solche Strategie sucht, der findet viele Momentum-Fonds und -ETFs. Alternativ könnte man dies auch mit dem Wikifolio machen und immer ab einem bestimmten Verlustgrenze (10%, 20% oder 30%) verkaufen.

      Bei Wachstumsunternehmen kommt es leider immer wieder zu dramatischen Kurseinbrüchen, selbst bei den erfolgreichsten Unternehmen der letzten 20 Jahre (Amazon, Tesla, Apple, Netflix). Wer da ausgestoppt wurde und den Wiedereinstieg verpasst hat wird sich sicher schwarz ärgern. Jetzt ist es leider so, dass vor allem durch Makro-Faktoren (steigende Zinsen, Inflation) ein Abverkauf nahezu aller Aktien im Bereich Small-/Mid-Cap-Growth stattfand.

      Soll ich jedoch ein Unternehmen verkaufen, was weniger kostet, obwohl der Wert sich meiner Meinung nach nicht bzw. nur geringfügig geändert hat?

      Ist Hellofresh wirklich nur noch die Hälfte wert im Vergleich zu vor 4 Monaten, seitdem sich nichts geändert hat, außer dass die Zinsen um 0,4% gestiegen sind? Oder läuft weiterhin alles nach Plan und die Zinssteigerung wäre realistisch mit 5-10% Minus abgegolten?
      Ist die Strategie von Auto1 und der Aufbau der Autohero-Plattform gescheitert? Oder erzielt man jedes Quartal hervorragende Umsatzsteigerungen und baut die Marke erfolgreich auf?
      Hat AboutYou die Anleger beim IPO geblendet und seine Ziele verfehlt? Oder wächst man deutlich stärker als erwartet und übertrifft die IPO-Erwartungen?

      Die Antworten auf diese Fragen muss jeder für sich selbst beantworten, meine Meinung dürfte denke ich klar sein, sonst wären die Position aus dem Wikifolio geflogen. Wie beispielsweise auch Teladoc, die tatsächlich zu ambitioniert prognostiziert hatten.

      So wie du schreibst solltest du das Wikifolio definitiv verkaufen! Und das sage ich hier ganz deutlich, obwohl es entgegen meinen eigenen Interessen steht. Denn das Wikifolio entspricht offensichtlich nicht deiner eigenen Anlagestrategie (Value vs. technische Analyse), dein Anlagehorizont ist wesentlich geringer als der des Wikifolios und statt der Unternehmensentwicklung steht ausschließlich die kurzfristige Kursentwicklung im Fokus.

      Ich nehme es auch niemandem übel, der/die sich dazu entscheidet das Wikifolio zu verkaufen, um auf sicherere Zeiten zu warten oder seine Nerven zu beruhigen. Psychologie ist eben doch für viele Anleger entscheidend und es tut weh, täglich sinkende Kurse zu sehen. Das war in vergangenen Krisen so und wird auch in der Zukunft immer so bleiben. Ich konzentriere mich nach wie vor auf Unternehmenszahlen, die Firmenstrategie und die langfristigen Aussichten und werde das auch in Zukunft tun.

      VG Basti

  8. Marco

    Hallo Bastian, danke für die vielen Einsichten zu deiner Strategie. Eine Nachfrage dazu: du ermittelst ja Kennzahlen wie zum Beispiel KGVs oder KUVs und beurteilst danach ob ein Unternehmen „billig“ im Sinne von unterbewertet ist.
    Kann es nicht sein, dass du durch die (neuen) Makro Faktoren vernachlässigst, dass sich der Maßstab ändert? Beispiel HF: vielleicht war es bisher so, dass HF bei einem KGV von xyz (Zb 30) unterbewertet war. Vielleicht gilt dies jedoch einfach nicht mehr, wenn der Markt dieses KGV jetzt als überbewertet ansieht (obwohl sich Fundamental nichts geändert hat) und der Aktie nur mehr ein KGV von zB 20 „billigt“.
    Also ich mein ggf. werden Aktien in der aktuellen Phase generell „unattraktiver“ und demnach abgestraft (ob berechtigt oder nicht sei mal dahingestellt). Danke dir.

    1. Bastian Brach

      Moin Marco,

      die Kennzahlen müssen natürlich immer in Relation zu Faktoren wie beispielsweise dem Zins gesehen werden. Ein steigender Zins führt also auch dazu, dass mein faires Multiple nach unten angepasst wird. Hier gilt es jedoch den richtigen Maßstab zu finden. Aktuell wird die Diskussion stark von der Angst vor Zinserhöhungen geprägt, was zu den deutlich gesunkenen Kursen geführt hat. Meiner Meinung nach deutlich zu stark.

      Um das zu erläutern nachfolgend einmal meine Überlegungen:

      Es gibt in der Finanzwissenschaft das sogenannte Equity-Risk-Premium. Dieses besagt, dass Aktien langfristig eine höhere Rendite als Anleihen oder Sparguthaben abwerfen, weil Anleger für das höhere Risiko entlohnt werden. Unter der Annahme, dass das Equity-Risk-Premium 7% beträgt (dies entspricht dem Durchschnitt der letzten 100 Jahre), würde dies bei einem Nullzinsumfeld bedeuten, dass ein durchschnittliches Unternehmen mit einer Gewinnrendite von 7% bewertet wird, dies entspricht einem KGV von 14,3.

      Bei einem Zinsanstieg von 0,5%, wie wir ihn seit dem Halbjahr 2021 gesehen haben (hier beziehe ich mich auf die 10-jährige Bundesanleihe), würde die durchschnittliche Gewinnrendite demnach auf 7,5% steigen müssen, wenn das Equity-Risk-Premium konstant bleiben soll.
      7,5% Gewinnrendite entspricht einem KGV von 13,3. Das Multiple vom durchschnittlichen Unternehmen würde demnach aufgrund des Zinsanstiegs um 7% geringer ausfallen. Wachstumsunternehmen eher im Bereich 10% – 15%, Value-Unternehmen weniger.

      Wenn man jetzt einen Zinsanstieg von insgesamt 1% erwartet, würde dies theoretisch eine Multiple-Kompression von rund 12% ergeben, bei Wachstumsunternehmen wohl im Bereich von 20-25%. Dies berücksichtige ich in meinen fairen Werten, wenn ich diese neu bestimme. Aktuell sind wir bei Wachstumswerten schon weit über diese 20-25% hinaus, erst recht wenn man berücksichtigt, dass diese Unternehmen ja weiterhin wachsen und so selbst bei einer Multiple-Verringerung ihren Wert steigern können.

      Auch wenn dies natürlich nur ein theoretisches Konstrukt ist, hilft es mehr sich daran zu orientieren, als ganz ohne Grundlage zu arbeiten.

      VG Basti

  9. Anonymous

    Moin Basti!
    Fühle mich wirklich wohl hier, auch wenn der „kleine Toni“ immer mal wieder ein paar Erklärungen braucht…
    Ich habe diesen thread gelesen und eine Verständnisfrage bleibt bezogen auf den letzten Post: Was genau ist das Multiple? Ich folge und verstehe bis inkl deines Satzes: „7,5% Gewinnrendite entspricht einem KGV von 13,3.“
    Danach konnte ich nicht mehr ganz folgen; freue mich auf eine Antwort, hat aber Zeit 🙂
    VG, Toni

    1. Bastian Brach

      Moin Toni,

      Multiples sind beispielsweise das KGV oder KUV, also ein Vielfaches von den Kennzahlen Gewinn oder Umsatz. Wenn das „faire“ KGV von 14,3 auf 13,3 sinkt, dann entspricht dies einem Rückgang von 7%. Bei konstanten Gewinnen sollte das Unternehmen also aufgrund des 0,5%-Zinsanstieges 7% an Wert verlieren. Bei 1% Zinsanstieg sollte das Unternehmen 12% an Wert verlieren.

      VG Basti

  10. Anonymous

    Hi Basti,
    …ach so… also ganz einfach der Quotient der unterschiedlichen KGV?!
    gemäß:
    100 / 7 = KGV 14,3
    100 / 7,5 = KGV 13,3
    >> 13,3 / 14,3 = 0,93, entsprechend minus 7%
    … aber dann wäre doch bei 1% Zinsanstieg >> 100 / 8 = KGV 12,5 >> 12,5 / 14,3 = 0,875, entsprechend minus 12,5%
    Richtig so?! (Es gibt keine dummen Fragen und) Danke für den Exkurs.
    Toni

    1. Bastian Brach

      Genau, so zumindest in der Theorie. In der Praxis spielen dann noch Psychologie, Zukunftserwartungen, etc. eine große Rolle.

      VG Basti

  11. Anonymous

    Danke Basti
    VG Toni

  12. Julian

    Hi Basti,

    Wie findest du die Zahlen von Opendoor und deren Ausblick?

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