Wikifolio-Update (Woche vom 23.11.2020)

Wikifolio-Update (Woche vom 23.11.2020)

Performance-Vergleich

In der vergangenen Woche kehrte wieder etwas Ruhe in den Aktienmarkt ein, dennoch wird das Geschehen aktuell von den kommenden Impfstoffen einerseits und den verschärften Lockdowns andererseits bestimmt. Das Wikifolio konnte zum ersten Mal seit Anfang November wieder ein Rekordhoch erreichen, das Wochenplus betrug 2,7%.  Der Vergleichsindex Euro Stoxx 50 legte um 1,7% zu. Damit liegt die Outperformance aktuell bei 106% seit Jahresbeginn (YTD: 100,1% Wikifolio; -5,9% Euro Stoxx 50).

Home24: starkes Q4 und SDAX-Aufstieg

Diese Woche hat die Aktie von Home24 ein neues Rekordhoch erreicht und ist damit seit den Impfstoff-News von vor 3 Wochen bereits wieder um 33% gestiegen. Dieser Anstieg ist auch fundamental gerechtfertigt – Q4 lief bisher hervorragend. Der Anstieg der Bestellungen hat sich im November weiter beschleunigt, nachdem bereits der Oktober ein Wachstum von 60% im Vergleich zum Vorjahr gesehen hat. Q4 ist für Home24 besonders wichtig, da hier traditionell die höchsten Umsätze und die höchste Marge erzielt wird. Der Umsatz sollte damit in diesem Jahr nah an die 500 Mio. € Marke kommen und damit die letzte Prognose nochmals leicht übertreffen.

Zudem hat sich durch den jüngsten Kursanstieg auch die Wahrscheinlichkeit für einen SDAX-Aufstieg im Dezember deutlich erhöht. Die Entscheidung hierzu fällt am Donnerstagabend. Ein Aufstieg würde die Handelbarkeit erhöhen und die Aktie interessanter für institutionelle Anleger machen. Das cash-bereinigte KUV liegt aktuell bei 0,9, somit sollte Home24 als wachstumsstarkes Unternehmen nach dem Einzug in den SDAX im Fokus einiger Fonds und Investoren rücken, was den Aktienpreis weiter antreiben könnte.

Hellofresh: strategische Übernahme

Hellofresh vermeldete am Montag die Übernahme von Factor75. Das Unternehmen ist Hellofresh zum Verwechseln ähnlich (Abomodell, wöchentliche Lieferung, gesundes Essen, etc.), konzentriert sich jedoch auf fertige Gerichte, die man nur noch in Mikrowelle oder Ofen aufwärmen muss. Damit baut Hellofresh sein Produktportfolio weiter aus und spricht damit auch eine neue Zielgrupe an. Factor75 erzielt aktuell Umsätze von 100 Mio. $, die Übernahme kostet 177 Mio. $ zzgl. Erfolgsprämien und erscheint damit recht preiswert.

Bereits in der Vergangenheit hat Hellofresh mit der Übernahme von GreenChef ein sehr gutes Händchen bewiesen. 2018 wurde das Unternehmen für gerade einmal 13 Mio. € übernommen. Mittlerweile erzielt GreenChef über 150 Mio. € Umsatz jährlich und trägt mit seinen hochpreisigen Kochboxen maßgeblich zum Erfolg von Hellofresh in den USA bei.

Anfang der Woche eröffnete sich durch einen negativen Analystenkommentar eine sehr gute Gelegenheit den Anteil von Hellofresh kurzfristig zu erhöhen. Der Zukauf machte sich schnell bezahlt, denn die Aktie stieg seitdem um ca. 15% an. Auch in Zukunft werde ich versuchen, solche kurzfristigen Einbrüche, die wie in diesem Fall unabhängig vom operativen Geschäft sind, zu nutzen und damit den Ertrag für die Anleger weiter zu erhöhen.

Ich freue mich über jede Bewertung, Anmerkung und Kritik:
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Dieser Beitrag hat 16 Kommentare

  1. Jonas

    Lieber Bastian, vielen Dank für die interessanten Beiträge und die tolle Performance in Deinem Wikifolio. Ich bin mittlerweile bereits mit 30% im Plus. Wow, mach weiter so! Ich wünsche Dir gute Gesundheit und vielen Dank für Deinen Einsatz. Beste Grüsse aus der Schweiz, Jonas

  2. Simon

    Auch von mir ein riesengroßes Kompliment! Deine Unternehmensanalysen sind weltklasse. Bin seit einiger Zeit bei dir investiert und absolut begeistert. Du hast es echt drauf 😉

  3. Anonymous

    Ich grüße dir!
    Wie hoch siehst du die Gefahr, dass Hellofresh von BigPlayern wie Amazon zeitnah verdrängt wird?
    Ein Burggraben erscheint mir noch nicht klar erkennbar.

    Beste und freundliche Grüße!
    Hans

    1. Bastian Brach

      Moin Hans,

      die Gefahr sehe ich als recht gering an.
      Zum einen bietet Amazon bereits seit Jahren Kochboxen an (https://youtube.com/watch?v=mx0fH5eIvOk), kommt jedoch nicht an die Qualität von HelloFresh heran.

      Im Gegensatz zur weitläufigen Meinung sind Kochboxen von der Logistik her extrem anspruchsvoll. Daher ist in Deutschland auch Lidl krachend gescheitert, obwohl dort ja die Expertise im Bereich Lebensmittel vorhanden ist.

      Wenn Amazon jetzt viel Geld in die Hand nehmen würde, dann könnten sie sicherlich in 3-5 Jahren einen Konkurrenten aufbauen, aber kurzfristig sehe ich da wenig Gefahr.

      VG Basti

  4. Robert aka Rankstar

    Hallo Bastian,

    ich kennen nun einige Leute die HelloFresh „AUSPROBIERT“ haben. Sie sagen es ist toll aber zu teuer. Bekannte von mir haben sich die Rezepte gespeichert und Kochen sie einfach nach. Was sagst du dazu, dass HelloFresh nur davon lebt kurzfristige Abos haben zu haben (sogennante ausprobier Kunden, die nicht nachhaltig sind). Vielen ist es zu teuer. Kann dieser Fakt überprüft werden?

    1. Bastian Brach

      Moin Robert,

      dieses Argument hält sich ja auch bereits mehr oder weniger seit der Gründung des Unternehmens. Dennoch ist Hellofresh in jedem einzelnen Jahr um mehr als 35% gewachsen. Hellofresh veröffentlicht leider keine Kohorten-Analysen, daher kann dies nicht überprüft werden.
      Hellofresh selber bezeichnet die eigene Zielgruppe als Top-40% der Einkommenshaushalte. Dies entspricht in Deutschland einem Netto-Haushaltseinkommen von ca. 3500€/Monat. In dieser Zielgruppe ist der Service den meisten Leuten (Hellofresh kostet pro Gericht ca. 1-2€ mehr als selbst einkaufen) wohl wert. Für niedrige Einkommensschichten ist es dagegen oft zu teuer, diese sind aber auch gar nicht die Zielgruppe von Hellofresh.

      VG Basti

  5. Robert

    Hi Bastian,

    das mit der Zielgruppe wusste ich nicht. Ist aber interessant!!! Weißt du was Hellofresh zu einer möglichen Fixkostendegression sagt? Sinken die kostet, wenn das Unternehmen weiter in dem Rahmen wächst?

    1. Bastian Brach

      Ja, das auf jeden Fall. Allein seit dem Börsengang hat man die Marge ja bereits um mehr als 20%-Punkte verbessert. Ein Großteil geht auf Skaleneffekte zurück, weshalb es für Konkurrenten immer schwieriger wird, je größer Hellofresh wird.

      VG Basti

  6. Emil

    Danke für die wertvollen Analysen. Wird es demnächst eine Erläuterung zur (bisher eher kleinen) Twitter-Position geben?
    Beste Grüße

    1. Emil

      Ok, habe gerade den Eintrag von April dazu gefunden, sorry!

  7. Dieter

    Hallo Bastian,
    du meinst ja Home24 hat gute Chancen in den S-Dax zu kommen. Als wie wahrscheinlich siehst du denn auch den S-Dax Aufstieg von Westwing an?
    Beste Grüße
    Dieter

    1. Bastian Brach

      Moin Dieter,

      mittlerweile auch recht wahrscheinlich. So 70% würde ich vermuten.

      VG Basti

  8. Peter

    Hi Basti,
    Danke für deine Analysen und deine tolle Performance. Ich habe eine Frage hinsichtlich dem Jahr 2021:
    Denkst du nicht, dass eine starke „Umschichtung“ von Krisengewinnern (Home24, Westwing, Hellofresh) in Werte stattfindet, die bisher sehr gelitten haben unter Corona. Die Wahrscheinlichkeit ist doch höher, dass sich eine abgestrafte „Öl-Aktie“, die aktuell fast am Tiefpunkt notiert, nächstes Jahr besser performt als z.B. Hellofresh?
    Dass Hellofresh „besser“ ist als eine „Öl-Aktie“ ist klar… aber es geht doch darum, dass eine Öl-Aktie vom fairen Wert ggf. viel weiter weg ist als ein Krisengewinner, der schon X00% gestiegen ist.
    Was meinst du?

    1. Moin Peter,

      meine Strategie besteht grob gesagt darin, den fairen Wert eines Unternehmens zu bestimmen und dann in solche zu investieren, deren aktueller Wert möglichst weit unter dem fairen Wert liegt. Dies ist die klassische Value-Strategie.

      Die unterschiedliche Kursperformance dieses Jahr hatte ihre Gründe: Hellofresh hat seine Kundenzahl verdoppelt, Home24 und Westwing sind sehr profitabel gewachsen, der Ölpreis ist eingebrochen (ohne wirkliche Aussicht auf Erholung). Gerade gestern hat Exxon Mobil verkündet, dass man 20 Mrd. Dollar abschreiben muss, weil sich die Geschäfte zukünftig schlechter entwickeln werden als bisher gedacht.

      Zudem liegen Hellofresh und Home24 noch deutlich unter ihrem fairen Wert, wieso also aus diesen aussteigen?
      Natürlich wird das nächste Jahr nicht noch einmal so extrem gut wie dieses, dennoch ist das Potential auf starke Kurssteigerungen weiter da. Bei Ölfirmen sehe ich das aktuell nicht.

      Nach der Finanzkrise 2008/2009 waren es auch nicht die schwer getroffenen Banken und Versicherungen, die in der Folge die höchsten Renditen hatten. Die „Verlierer-Strategie“ ist somit meistens nicht unbedingt die lukrativste. Viele Anleger haben bereits nach der Erholung im Mai/Juni diesen Jahres mit denselben Argumenten auf die Krisen-Verlierer gesetzt (TUI, Lufthansa, Kreuzfahrtgesellschaften, Kinos etc.) und damit kein Geld verdient, während die Aktien im Wikifolio sich teilweise nochmals verdoppelt haben.

      Ich fühle mich mit meiner Strategie also weiterhin sehr wohl und gehe auch davon aus, die Krisenverlierer im Jahr 2021 zu schlagen.

      VG Basti

  9. Christian

    Hallo Basti,
    vielen Dank erstmal für die super Performance bis dato!!
    Wo siehst Du denn das Kursziel von den 3 Aktien (Hellofresh, Vonovia und Home24) und planst Du dann in Zukunft neue Wachstumsaktien ins Depot aufzunehmen, die dann auch ein solch starkes Wachstum haben können?
    Beste Grüße! Christian

    1. Moin Christian,

      anstatt von Kurszielen definiere ich oftmals lieber „faire KUVs“. Für Hellofresh liegt dieses bei 3,0-3,5 (entspricht 80€/Aktie auf dem Umsatz von 2021) und für Home24 bei 1,0-1,5 (entspricht 23€/Aktie bis 33€/Aktie). Bei Vonovia folgt der Aktienkurs dem Nettovermögenswert der Immobilien. Dieser sollte im kommenden Jahr auf mindestens 65€ wachsen.

      Ich schaue mir immer mal wieder neue Unternehmen an – aktuell die IPOs von AirBnB und DoorDash. AirBnB erscheint mir von der Bewertung aktuell sehr teuer, aber DoorDash wirkt auf den ersten Blick interessant. Zudem rückt aktuell auch Delivery Hero wieder etwas mehr in meinen Fokus, da werde ich jedoch zu gegebener Zeit noch einmal Stellung beziehen.

      VG Basti

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