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WikiFolio-Update (Woche vom 23.05.-13.06.2022)

Performance-Vergleich

In den vergangenen Wochen verlor unser Wikifolio 10,8%, von 157,30€ ging es auf 140,60€. Der Vergleichsindex CDAX verlor 7,1%. Damit liegt die Underperformance aktuell bei 37,2% seit Jahresbeginn (YTD: -56,6% Wikifolio; -19,4% CDAX).

Tesla: Produktionsausbau Berlin & Shanghai

Tesla wird Anfang Juli das erste Unternehmen mit offiziellen Zahlen sein – auch wenn es erstmal nur Produktionszahlen sind. Q2 war vor allem von den Lockdowns in China geprägt, sodass die Produktion nach 310k Autos in Q1 auf rund 250k zurückgehen wird, bevor mit Q3 dann ein neuer Rekord mit >350k aufstellt werden dürfte. Dazu beitragen dürfte auch der Produktionsaufbau in Berlin (wo Tesla in Q3 zum ersten Mal über 10k Autos pro Monat fertigen könnte) und Texas, sowie ein weiterer Produktionsausbau in Shanghai auf >80k Autos pro Monat.

Tesla bleibt weiterhin hervorragend positioniert, um den schnellen Wandel hin zum Elektroauto anzuführen. Bereits heute sind die meisten Modelle in allen Märkten bis 2023 ausverkauft, was Preiserhöhungen deutlich vereinfacht und damit Umsatz und Margen ansteigen lässt. Sowohl in 2022 als auch in 2023 sollten Tesla-Aktionäre Umsatzanstiege von >50% sehen.

Kroger: Positive Aussichten

Der US-Lebensmittelgigant Kroger, der in den USA zu den mittelpreisigen Supermärkten gehört, hat vergangene Woche seine Quartalszahlen vorgelegt. Interessant waren die Kommentare welche Segmente besonders gut abgeschnitten haben: Dies waren vor allem Meal Solutions (Convenience-Produkte wie Kochboxenmarke Home Chef), was darauf hindeutet, dass Verbraucher auch in Krisenzeiten nicht auf solche Produkte verzichten wollen. Zudem stach ein Satz aus dem Conference-Call heraus: „(…)we would expect digital sales to accelerate as the year progresses“. Nachdem Digital Sales in der ersten Jahreshälfte 2022 unter den starken Vorjahresquartalen leidet, erwartet Kroger also im Online-Lebensmittelmarkt eine Beschleunigung in der zweiten Jahreshälfte – trotz Inflation und schlechter Verbraucherlaune. Dies könnte auch den Umsätzen von Hellofresh im 2. Halbjahr weiter Auftrieb geben.

Verbraucherverhalten USA

Die Einschätzung von Kroger bestätigt sich auch im Food Delivery – Markt. Dieser erreichte in den USA im Mai ein neues Rekordhoch (https://secondmeasure.com/datapoints/food-delivery-services-grubhub-uber-eats-doordash-postmates/) – trotz Inflation, hohen Spritpreisen und möglicher Rezession. Wenn man bedenkt, dass Food Delivery rund doppelt so teuer wie Hellofresh ist, dann erscheint es wahrscheinlich, dass auch Kochboxen weiter nachgefragt werden und die Kunden selbst in Krisenzeiten nicht in Massen kündigen, um Geld zu sparen. Neben dem Food Delivery – Markt entwickelt sich auch der Ride Hailing – Markt weiter positiv und ist auf dem Weg die Vor-Corona-Niveaus zu erreichen, was Uber helfen sollte in diesem Jahr erstmals mehr als 1 Mrd. $ operativen Gewinn zu erzielen.

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Dieser Beitrag hat 24 Kommentare

  1. Anette

    Hi Bastian, durch Corona sind ja zunächst auch die eCommerce-Aktien abgestürzt. Irgendwann hat man dann festgestellt, dass es doch genau anders ist – durch Corina profitiert ja der eCommerce.
    Denkst du nicht, dass man dies über die aktuelle Inflation inkl. Energiekrise auch mal sagen wird? Also das Kaufhaus in der Münchner Innenstadt wird doch stärker unter der aktuellen Situation leider, wie der eCommerce-Bereich, oder?

    1. Bastian Brach

      Moin Anette,

      aktuell ist es natürlich weniger klar als zu Corona, wo die Konsumenten zwischenzeitlich gar keine andere Möglichkeit hatten als online zu shoppen. Aktuell sehe ich das nur geringfügig. Was Energieverbrauch angeht ist es schwierig eine allgemeine Aussage zu treffen, da der stationäre Handel zwar viele Locations haben, die zum höheren Energieverbrauch beitragen (vs. große Fulfillmentcenter im Online-Handel), die Verteuerung der Postzustellung aber wiederum den Online-Handel mehr trifft.

      Durch die aktuelle Krise könnte sich jedoch das Innenstadt-Sterben beschleunigen, da der stationäre Handel durch Corona ohnehin schon geschwächt ist und jetzt auch noch die Umsätze fehlen. Dahingehend sind Zalando und AboutYou noch auf Jahre durchfinanziert und werden zwar auch schwierige Quartale vor sich haben, aber dabei weiterhin wachsen und die Profitabilität erreichen (About You) oder stagnieren, aber weiterhin profitabel bleiben (Zalando). Durch fehlende Einkaufsmöglichkeiten in der Innenstadt (sollten einige EInzelhändler nicht überleben), könnte der Trend hin zum E-Commerce sich weiter beschleuningen.

      VG Basti

  2. Rolf

    Basti, wie lässt du eigentlich die Makroökonomischen Faktoren in deine Entscheidungen einfließen? Irgendwie lese ich immer wieder, dass du das machst, aber dann schreibst du auch, dass du an den Unternehmen festhältst wenn sich fundamental nichts verschlechtert.
    Bestes Beispiel Vonovia: Die Makro schlägt hier ja die Mikro total, aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass dir das egal ist, weil du an den Fundamental-Daten hängst, die jedoch keinen interessieren.

    1. Moin Rolf,

      für die makroökonomischen Faktoren versuche ich die operative Auswirkungen auf die einzelnen Unternehmen in verschiedenen Szenarien (langanhaltende Inflation, Rezession, Normalisierung) abzuschätzen und passe danach meine Schätzungen evtl. an. Dabei überprüfe ich vor allem ob die Unternehmen auch das schlechtestmögliche Szenario relativ schadlos überstehen und dann bei einer Erholung wieder schnell in den Wachstumsmodus kommen.

      Daher habe ich beispielsweise zu Beginn des Ukraine-Kriegs die Aktien von Global Fashion Group vollständig und Aktien von anderen Modeunternehmen teilweise verkauft, da diese von einer möglichen Rezession und im Falle von GFG dem Russlandkrieg besonders betroffen sind.

      VG Basti

  3. Tassilo

    Hi Bastian, mich würde interessieren deine Meinung zu Zalandos letzten 4 Wochen= Scheint komplett übertrieben zu sein der Absturz.

    1. Bastian Brach

      Moin Tassilo,

      bei Zalando, Home24 und Westwing hatte ich damals geschrieben, dass diese am meisten unter Inflation und Konsumzurückhaltung leiden. Dies scheint sich jetzt in etwa zu bestätigen und es dürften schwierige Quartale werden, bis mehr Klarheit herrscht und Inflation und Wachstum sich wieder auf normalem Niveau einpendeln.

      Das heißt als Investor muss man sich jetzt 2 Fragen stellen:
      1. Wie viel negatives ist aktuell eingpreist? Wenn man sich Zalando angeschaut hat wohl sehr viel, da selbst nach einer deutlichen Gewinnwarnung am nächsten Tag im Plus geschlossen wurde.
      2. Wie lange dauert die Krise und noch wichtiger: Von welchem Umsatzniveau beginnt das Wachstum wieder, mit welchen Margen und welchen Wachstumsraten?
      Sollte man bsp. annehmen, dass Zalando erstmal stagniert, ab Mitte 2023 wieder mit den „normalen“ 15-20% beim Umsatz wächst und operative Margen von rund 5% erzielt, welche man mittelfristig auf 8-9% operative Margen (entspricht rund 6% Nettomarge) steigert, dann hätte man für 2024 einen Nettogewinn von rund 360 Mio. €, der sich in den Folgejahren auf 500 Mio. € (2025) und 700 Mio. € (2026) steigern könnte. Wie hoch die Aktie bei solchen Zahlen dann in 1-2 Jahren steht hängt wohl auch vom Zinsniveau ab, aber die 6 Mrd. € Marktkapitalisierung aktuell erscheinen trotzdem niedrig, sobald wieder „normale“ Zeiten zurückkehren.

      Ich habe auch schon darüber nachgedacht, die Position etwas auszubauen, allerdings gefällt mir About You aktuell besser und ich würde bei Zalando erst einmal noch die gesamtwirtschaftliche Entwicklung der nächsten Quartale abwarten.

      VG Basti

  4. Stefanie

    Basti dein Fokus auf die fundamentals ist absolut richtig, in der Schule würde man aber sagen, dass es eine Thema Verfehlung ist. Warum ziehst du das so stur durch? Du siehst doch dass zB bei vonovia andere Faktoren entscheidend sind und nicht das was du analysierst. Warum spielst du das Spiel nicht mit?

    1. Bastian Brach

      Moin Stefanie,

      kurzfristig magst du Recht haben, langfristig setzen sich immer die Fundamentaldaten durch oder einfacher gesagt. Erfolgreiche Unternehmen, die man zu einem akzeptablen Preis kauft, haben Anlegern in der Vergangeheit Gewinne beschert.
      Wenn ich jetzt umschwenken würde und versuchen würde die kurzfristigen Kursbewegungen vorherzusagen (die aktuell von Inflation/Zinsen abhängen), dann müsste ich besser als der Markt wissen wie die nächsten Inflationsdaten aussehen werden. Kann man machen, aber da bin ich definitiv der Falsche für, weil ich definitiv nicht besser als die Zentralbanken oder Hunderte andere Analysten weiß, ob die Inflation nächsten Monat die Erwartungen von 8,6% treffen wird, diese über- oder unterschreitet.

      Daher halte ich mich daran, gute Unternehmen zu finden, die alle möglichen Szenarien (Stagflation, „Normalisierung“, Rezession) überstehen. Bis zu der Zahlenbekanntgabe Anfang August wird darauf nicht geachtet, das ist auch richtig. Nur gibt es keine Möglichkeit die Bewegungen bis dahin vorauszusagen. Natürlich hätte ich gerne Ende letzter Woche verkauft, dann am Tiefpunkt alles wieder zurückgekauft und dann wieder die nächsten 10%-Aufwärtsphase mitgenommen. Aber das ist eine Phantasievorstellung, dass dies möglich ist.

      Wer auf die Inflationsdaten und die Zinsentwicklung spekulieren will, kann das natürlich auch gerne machen. Nur ist dann mein Wikifolio das völlig falsche Produkt.

      VG Basti

      1. Stefanie

        Warum setzen sich denn langfristig die Fundamentals durch? Weil es immer so wahr?
        Wenn diese Regel so absolut gelten würde, dann würden ja Kurse nicht so einbrechen können wie aktuell. Weil dann die kursbewegenden Kräfte, z.B. HF bei 35 oder 40 oder 45 etc. kaufen würden. Aber das passt doch eben nicht.
        Möglicherweise steht Hellofresh in einem Jahr wieder bei 95 EUR, dann hättest du ja alles richtig gemacht. Dann kommt die nächste Krise (Stichwort Taiwan) und der Markt bricht wieder zusammen, und HF steht wieder bei 30 EUR (und das Wiki leidet, weil du wieder nicht verkauft hast und dir nur auf die Fundamentals konzentrierst).

        1. Bastian Brach

          Nehmen wir mal an HF entwickelt sich so wie vom Vorstand prognostiziert (ob das so eintrifft wird man sehen) und wächst weiterhin mit 20-25% in den nächsten Jahren und erzielt letztlich operative Margen von rund 15% bzw. 11% Nettomargen.
          Dies würde bedeuten, dass HF in 2025 knapp 15 Mrd. € Umsatz, 1,6 Mrd. € Nettogewinn und rund 2 Mrd. € Cashreserven hat. HF wird dann (bei weiter positiven Aussichten) nicht 5 Mrd. wert sein. Denn unter der Annahme, dass HF den Nettogewinn als Dividende ausschüttet wäre allein die Dividendenrendite über 30% und jeder Anleger würde da einsteigen, wenn es nicht schon ein strategischer Käufer vorher getan hat.
          Natürlich kann man dann immernoch streiten ob jetzt ein KGV von 15, 20 oder 30 gerechtfertigt ist, aber dass dauerhaft völlig absurde Bewertungen (sowohl nach oben als auch unten) vorherschen ist sehr unwahrscheinlich.

          Und in Krisen wird eben nicht rational gehandelt, weil alle Angst und Panik haben, sodass die Käuferseite leer ist, während alle noch schnell raus wollen. Die menschliche Psychologie ist hier eben nicht rational, auch wenn alle Experten, Lehrbücher und Erfahrungen sagen, dass antizyklisches Handeln die beste Strategie ist. Die Angst, dass die Aktie oder der Index Übermorgen niedriger ist, ist da einfach höher.

          VG Basti

  5. Marlene

    Hi Bastian, wie ist deine Meinung zu Vonovia? Du bist tiefenentspannt oder? Der Markt sieht das völlig falsch, weil die Zinsen Vonovia nicht weh tun, weil ja alles sehr lange mit niedrigen Zinsen finanziert ist oder? Warum kapiert das der Markt nicht sondern nur du? Das sind doch Berechnungen, die auch ein professioneller Investor anstellen kann oder? Danke dir.

    1. Moin Marlene,
      wie fast immer muss man hier differenzieren.
      Wird es schwieriger in Zukunft die Ertragssteigerungen der Vergangenheit zu erzielen? Ja, weil aus dem Rückwind Zinsentlastungen ein Gegenwind wird. Allerdings halte ich den Abschlag selbst in dem neuen Umfeld für deutlich übertrieben.

      Ich hatte in dem Artikel schon einmal mit den damaligen Zinsen meine Einschätzung gegeben: https://www.aktienalpha.de/vonovia-jahresbericht-2021/.

      Mit den neuen Zinsen komme ich heute auf folgende Berechnung:

      Die Zinszahlungen für die Anleihen, die in den nächsten 3 Jahren (bis Ende 2024) auslaufen, erhöhen sich insgesamt um rund 50 Mio. €, die belastend auf den FFO wirken. Gleichzeitig beträgt allein der Zusatzertrag aus Mietsteigerungen 350-450 Mio. € bis 2024, der sich ggf. durch weitergeben der Inflation sogar noch erhöhen könnte. Somit werden die Erträge unter Einbeziehung beider Effekte um 300-400 Mio. € bis 2024 steigen. Dies dürfte dazu führen, dass auch die Dividende weiter steigt, welche für 2022 bereits auf einem Niveau von über 6% liegt.

      Thema Wohnungswerte: Aktuell beträgt der Bilanzwert der Wohnungen rund 100 Mrd. € bei 52 Mrd. € Schulden (Nettowert: 48 Mrd. €). Der reale Wert der Wohnungen, wenn man als Basis die Verkaufspreise der letzten Wohnungsverkäufe von Vonovia nimmt, beträgt sogar rund 130 Mrd. €. Die Marktkapitalisierung von Vonovia liegt bei nur 23 Mrd. €. Damit dieser erreicht wird müssten die Bilanzwerte demnach um 25% und die realen Werte um über 40% einbrechen. Nur zum Vergleich: In der historisch größten Immobilienkrise (USA 2008) sind die Häuserpreise um maximal 28% eingebrochen.

      Wieso der Markt dies anders sieht kann ich dir auch nicht beantworten. Dies kann man oft nur im Nachhinein sagen. Ich denke, dass Vonovia weiter orderntlich Gewinn- und Dividendenwachstum erzielen wird (wenn auch etwas langsamer als zuletzt) und auch auf möglicherweise schwächere Immobilienprioden gut eingstellt ist, mit deutlich Puffer in den Bilanzwerten.

      Die Zahlen Anfang August werden hier mehr Aufschluss geben.

      VG Basti

      1. Marlene

        Danke. Irgendwo liegt hier ein Denkfehler. Zum Beispiel Forderungsabschreibungen wenn Mieten nicht mehr bezahlt werden können. Ich denke dass du das nicht beachtest, der Markt jedoch schon. Man wird sehen, wer Recht hat.
        Das Schlimme an der Krise haben wir bisher ja noch nicht gespürt. Das wird alles erst 2023 kommen.

        1. Ich denke die allerwenigsten Mieter werden sich der Gefahr aussetzen obdachlos zu werden, anstatt an anderer Stelle zu sparen. Diejenigen, die es sich wirklich nicht leisten können, werden zudem vom Staat unterstützt. Steigende Strom- und Gaspreise sind für Vonovia nahezu irrelevant, da diese weitergegeben werden.

          Durch vergangene Krisen und Inflationsphasen (bsp. Ende der 70er) waren Wohnungen eine der sichersten Anlagevehikel. Dies ist natürlich kein Naturgesetz, aber ich gehe trotzdem nicht davon aus, dass sich das in der aktuellen Phase, wo weiterhin Hundertausende Wohnungen in Deutschland fehlen und der Bedarf weiter ansteigt, ändert.

          VG Basti

          1. Marlene

            Ok, ich merke, dass der Markt (und auch ich) das anders sehen. Du sprichst von Mieterhöhungen, die sich aufgrund der Inflation noch erhöhen könnten und dagegen steht die Info von Bundeskanzler Scholz, dass die „gegenwärtige Preisentwicklung mit der Inflationskrise 1970 zu vergleichen“ ist.
            Verstehe auch gar nicht, warum du jetzt auf die Q2-Zahlen 2022 hoffst? „Überraschenderweise“ werden die sehr gut sein… aber entscheidend ist doch, was im Q2, Q3, Q4 2023 los ist…

          2. Bastian Brach

            Wenn wir uns die Inflationskrise in den 70ern anschauen, dann sehen wir ja gerade, dass Wohnungsvermietung einen sehr guten Schutz geboten hat.
            Während die Preise damals zwischen 4 und 6% jährlich gestiegen sind, haben sich die Mieten der staatlichen Wohnungsbaugesellschaften um durchschnittlich 8% pro Jahr gesteigert und auch die Wohnungspreise haben sich deutlich stärker gesteigert als die Inflation. Da sehe ich nicht, wieso dass ein negativer Punkt für Vonovia sein soll?

          3. Robert

            Der Tag heute zeigt einfach wieder mal recht, was los ist, Basti. Du freust dich, wenn der Betrag einer durchschnittlichen Kochbox um 0,02 EUR steigt und gleichzeitig haben wir Krieg in Europa, eine ausufernde Inflation und vsstl. die größte Energiekrise, die unsere (vsstl.) Generation erleben wird. Kurse an einzelnen Tagen sind nicht vorhersehbar, stimmt. Aber wir reden nicht mehr von ein paar Tagen, Wochen, Monaten.

          4. Bastian Brach

            Und welche der von dir genannten Punkte führen dazu, dass die Menschen in den USA, Kanada, Australien, UK und Europa nicht mehr zu Hause kochen oder von der Kochbox wieder auf den umständlichen Supermarkteinkauf wechseln?

            Es ist aktuell nunmal so, dass sich alle Aktien im Bereich Tech, E-Commerce etc. fast im Gleichschritt bewegen, das wird auch bis zu den nächsten Zahlen Anfang August so bleiben.

            VG Basti

  6. Markus

    Hi Bastian, mal eine Bewertungsfrage am Beispiel HelloFresh. Man liest oft Sachen wie: „Es hat sich fundamental am Unternehmen nichts geändert, also kaufe ich natürlich HF bei 30 EUR – wenn ich sie auch bei 90 EUR gekauft. Es ist ja jetzt umso besser, weil ich das gleiche Unternehmen zum viel günstigeren Preis bekomme.“
    Ok, verstanden.

    Aber diese Vergleiche „HF bei 90 EUR“ vs. „HF bei 30 EUR“ machen doch nur Sinn, wenn diese unter c.p.-Bedingungen erfolgen? Wenn sich also die Rahmenbedingungen ändern, macht so ein Vergleich doch keinen Sinn.
    Beispiel: Es kann sein, dass HF vor 6 Monaten bei 90 EUR unter den damaligen (guten) Rahmenbedingungen unterbewertet war (und demnach ein tolles Investment), während HF heute mit 30 EUR fair bewertet ist oder sogar überbewertet ist unter den aktuellen (schlechten) Rahmenbedingungen. Wie siehst du das?

    1. Moin Markus,

      absolut richtig. Man muss natürlich die Gesamtsituation betrachten und in den letzten 6 Monaten hat sich natürlich viel verändert. Worauf du anspielst ist wahrscheinlich die Zinssituation. Diese hat sich für nahezu alle Unternehmen, auch Hellofresh, nachteilig entwickelt, weil die Alternative zum Aktieninvest (sichere Staatsanleihen) attraktiver geworden ist und Unternehmens-Gewinne bei einer Bewertung mit einem DCF-Modell höher abgezinst werden. Nur liegt der Effekt aus meiner Sicht eher bei 15-20% Minus bei 2% Zinserhöhung, die wir bei der deutschen 10-jährigen Anleihe gesehen haben.

      Daneben ist natürlich vor allem die Geschäftsentwicklung entscheidend. Nahe am Hochpunkt hatte HF bereits die Prognose für 2022 abgegeben und die eigenen Ziele dann in Q1 übertroffen. Wird der Krieg und die hohe Inflation einen Einfluss auf das Geschäft haben? Ja, allerdings zeigen die bisherigen Daten (und die Q2-Zahlen werden darüber noch mehr Indizien geben), dass dieser nur sehr geringfügig ausfällt und die Menschen ihre Angewohnheiten nicht so schnell wieder aufgeben, sondern lieber an anderer Stelle sparen.

      Daher wird Anfang August die Veröffentlichung der Q2-Zahlen interessant, bis dahin kann man nur spekulieren und alternative Daten heranziehen. Aber im Vorfeld mache ich mir natürlich schon Gedanken:
      – Wie hoch wird die Contribution-Marge im Angesicht von steigenden Lebensmittel- und Ölpreisen ausfallen?
      – Schafft HF es (wie im Q1-Call angekündigt) den Umsatz auf dem hohen Niveau der ersten 3 Monate zu halten?
      – Sieht man die negative Verbrauchersituation in den Bestellzahlen oder durchschnittlichen Bestellwerten?
      etc.

      Endgültig kann man dies erst in einem Monat beantworten, bis dahin wird der Kurs weiter volatil sein.

      VG Basti

  7. Tassilo

    Bei so vielem negativen Sentiment gehe ich bald von einer Wende aus. Vielleicht noch ein Move tiefer, dann wars es aber.

    Viele Dax Aktien haben Ramschpreise. Auch Banken und Versicherungen trotz höherer Zinsen. Ölaktien trotz hoher Preise. Chips obwohl es in 10 Jahre mehr Chips geben wird als jetzt. Ja, ein Bond kommt bald.

  8. Tassilo

    *Boden, James Bond ist glaube ich verünglückt.

  9. Molly

    Hi Bastian, was sagst zu den DH News? Klar, muss man erstmal abwarten… aber wenn sich das als richtig herausstellt, haben wir ein Problem oder? Oder siehst du das eher als „naja, bisschen Strafzahlungen und weiter gehts!“?

    1. Moin Molly,

      dazu habe ich bereits bei Twitter was geschrieben.

      Die Antitrust-Guidelines und -Strafen sind hier: https://ec.europa.eu/competition-policy/system/files/2021-01/factsheet_fines_en.pdf

      Danach wird definiert, dass als Strafe 0-30% des relevanten Umsatzes festgelegt ist. Da die Untersuchung DH und Glovo betrifft würde ich stark davon ausgehen, dass die Länder Rumänien, Bulgarien oder Kroatien sind, wo beide bis zuletzt konkurrierten. Der Umsatz der drei Länder war in 2020 rund 30 Mio. € und in den letzten 5 Jahren rund 100 Mio. €. Sollte es also überhaupt zu einer Strafe kommen, dann dürfte diese wohl im niedrigen zweistelligen Millionenbereich liegen.

      Natürlich trotzdem nicht schön, aber der Verlust von rund 1 Mrd. € Marktkapitalisierung im Anschluss an die Nachricht hängt wohl damit zusammen, dass schnell die Rede von „bis zu 10% des gesamten Umsatzes“ war, dies ist jedoch nur die absolut obere Begrenzung, berechnet wird die Strafe jedoch wie oben geschildert.

      VG Basti

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