Wikifolio-Update (Woche vom 11.01.2021)

Wikifolio-Update (Woche vom 11.01.2021)

Performance-Vergleich

Die erste Hälfte des Monats Januar ist vorbei und so langsam beginnt die Berichtssaison. Während traditionell die US-Banken als erstes ihre Zahlen vorlegen, werden die Geschäftsberichte der meisten Portfoliounternehmen wohl noch bis Anfang März warten – es sei denn es werden vorher noch vorläufige Zahlen verkündet. Auf Impulse muss also erst einmal noch weiter gewartet werden. Das Wikifolio sank von 397,77€ auf 386,10€ – ein Minus von 2,9%. Der Vergleichsindex CDAX verlor 1,7%.

Home24 – Börsengang der Tochter

Mit positiven Nachrichten überraschte diese Woche Home24. Zwar war der IPO der Tochtergesellschaft Mobly, in welcher die brasilianischen Geschäfte gebündelt sind, bereits im November angekündigt worden, kommt jedoch doch schneller als erwartet. Bereits Anfang Februar soll es soweit sein, in dieser Zeit werden dann auch die vorläufigen Q4-Zahlen und ein Ausblick auf 2021 veröffentlicht, welcher neue Impulse geben kann.

Der Börsengang kommt zum richtigen Zeitpunkt: Geld fließt aktuell wieder zurück in die Schwellenländer und der IPO-Markt war zuletzt sehr vielversprechend, gerade was den Sektor E-Commerce angeht. In Q4 sind mit Sequoia Logistics (Logistikanbieter), Meliuz (Rabattgutscheine für E-Commerce) und Enjoei (E-Commerce-Plattform) drei Unternehmen aus der Branche an die brasilianische Börse gegangen. Die Kurse haben sich seitdem sehr gut entwickelt und stiegen in der kurzen Zeit zwischen 51% und 158% an. Beste Voraussetzungen also für einen gelungenen IPO.

Blue Apron steht kurz vor der Pleite

Für Hellofresh´s größten Konkurrenten auf dem US-Markt sieht es aktuell alles andere als gut aus. Zwar konnte man den Umsatz in 2020 wieder leicht steigern, aber dies ist angesichts der nahezu perfekten Bedingungen aufgrund von Corona eine schwache Leistung. Das Unternehmen arbeitet nicht profitabel und hat nur noch geringe Cash-Reserven, trotz einer Kapitalerhöhung in Q4 2020. Zudem sind seit dem Höhepunkt in Q2 bereits wieder 40k Kunden abgesprungen, sodass nur noch 357k Kunden verbleiben.

Interessant hierbei ist die Tatsache, dass Banken Kredite sofort kündigen können, sobald Blue Apron unter 300k Kunden in 2021 fällt. Schon die Konditionen der Kredite sollten aufhorchen lassen: 9,5% Zinsen p.a. und eine quartalsweise Mindestrückzahlung von 875k $ sprechen nicht für ein solides Unternehmen und lasten zusätzlich auf der Bilanz. Die zweite Bedingung des Kredites bezieht sich nämlich auf die Cash-Position. Diese wird zum Jahresabschluss im Bereich von 40 Mio. $ liegen, darf aber in Zukunft nicht unter 20 Mio. $ fallen. Bereits in den vergangenen 4 Quartalen hat man im Schnitt 15 Mio. $ verloren – trotz massivem Rückenwind durch Corona.

Auszug aus den Kreditbedingungen, S. 82 (Quelle: SEC-Dokument)

Sollte Blue Apron nicht noch eine weitere Kapitalerhöhung platzieren oder übernommen werden, droht in der zweiten Hälfte von 2021 die Insolvenz. Dies würde Hellofresh zugutekommen, da man wohl einen Großteil der bereits Kochbox-affinen Kunden fast ohne Marketingaufwendungen übernehmen könnte und die Marktanteile weiter ausbauen könnte. Bereits gegen Ende 2019 hat sich der Konkurrent Plated aus dem Markt zurückgezogen und dadurch für einen deutlichen Kundenzuwachs für Hellofresh gesorgt. Mitte Februar wird Blue Apron die Q4-Zahlen veröffentlichen; wenn hier kein Turnaround gelungen ist, dann wird das die Aktie weiter belasten und die Wahrscheinlichkeit einer Insolvenz erhöhen.

Ich freue mich über jede Bewertung, Anmerkung und Kritik:
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Dieser Beitrag hat 18 Kommentare

  1. Gerhard

    Lieber Herr Bracht,

    Sie haben kürzlich die Twitter-position deutlich reduziert. Unabhängig davon, dass Trumps Account gesperrt ist- hat sich aus ihrer Sicht etwas an den Fundamentaldaten geändert? Und: Ich bin gespannt auf ihre Teladoc-bewertung.
    Beste Grüße von Gerhard

    1. Bastian Brach

      Moin Gerhard,

      ich wollte die Position von Home24 nochmals etwas erhöhen und musste dafür andere Aktien verkaufen. Die Wahl ist hierbei auf Twitter gefallen, da ich hier von allen Wikifolio-Unternehmen am wenigsten Potential sehe. An den Fundamentaldaten hat sich wenig verändert (abgesehen von der Ankündigung vieler Trump-Anhänger die Plattform zu verlassen).

      VG Basti

  2. MrZed

    Hallo Herr Brach, vielen Dank für die Wochenzusammenfassung und das Beleuchten der Situation um Blue Apron.
    In einem Satz erwähnen Sie den gefallenen Kurs des wikis, hier würde mich interessieren, welche Gründe Sie hier sehen oder vermuten.

    1. Bastian Brach

      Moin,

      dazu hatte ich vor kurzem ja bereits einen Kommentar geschrieben. Den zitiere ich hier mal:

      „Kurzfristige Bewegungen sind schwer bis unmöglich zu verstehen, deshalb versuche ich das erst gar nicht. Aber es ist für das Unternehmen und die Aktie in 6 bzw. 12 Monaten auch völlig egal, wie die Kursentwicklung heute war. Selbst zu Beginn von Corona sind die ganzen E-Commerce-Aktien ja gefallen, was bereits damals keinen Sinn ergeben hat. Daher konzentriere ich mich auch auf die langfristigen Aussichten, die Bewertung, das Umsatzwachstum und die Margen, dann kann man solche Kursverluste um einiges entspannter ertragen, weil man ein konkretes Ziel vor Augen hat.“

      Die Geschäftszahlen und Branchenaussichten empfinde ich für weitaus wichtiger, hierzu gibt es bsp. bei Home24 Anfang Februar ein Update.

      VG Basti

  3. Toni

    Guten Tag Basti!
    Mich interessiert speziell der Unterschied deiner beiden wikis hinsichtlich der Handelsstrategie.
    Du schreibst in letzter Zeit vorwiegend über das predictable.
    Trifft es inhaltlich immer noch mit der Beschreibung auf wikifolio überein, sprich „value und bollinger bänder“ als tatsächliches Kombi-Kriterium einerseits und „predictable sources“ auf der anderen?
    Ich frage, weil ja doch auffällig Werte in beiden Depots sind und du selbst kürzlich als einzigen nennenswerten Unterschied Vonovia herangezogen hast; als „quasi Vola-Absicherungs-Glättung“, um das mal so intensiv in Anführungsstrichen zu setzen…
    Ich selbst könnte unterm Strich mit einer höheren Vola leben, wenn dadurch mehr Renditeaussichten stünden, WEIL (und das ist der entscheidende Punkt) m.E. durch „value und Bollinger“ das Risiko überschaubar bliebe?!
    Daher meine Frage, ob die Handelsstrategie noch exakt so abgebildet wird…
    Was würdest du empfehlen, auch wenn das ja nur eine Frage rein rhetorischer Natur ist, denn das kannst oder solltest du vermutlich nicht 🙂
    Danke für deine ganze Arbeit und dem (Buch)Gewinn, den ich bisher mit deinem Wiki erzielen durfte. (Ich bin im predictable, überlege aber umzuschichten, da ich mich aus diversen Gründen nicht ganz wohl mit Vonovia fühle)
    VG, Toni

    1. Bastian Brach

      Moin Toni,

      das ist eine berechtigte Frage. Das Wikifolio „Value/Bollinger“ ist bereits 2015 entstanden, seitdem habe ich die Handelsstrategie jedoch verändert und Chartanalyse ist nur noch zu einem sehr geringen Teil in den Strategie. Aktuell ist das „Value/Bollinger“ eine alternative Anlagestrategie zum „Predictable Consumer Stocks“, bei der ich unter leicht höherem Risiko auf die renditestärksten Aktien setze. Daher ist bsp. auch Vonovia nicht bzw. nur gering in dem Wikifolio enthalten, da hier die erwartete Rendite geringer als bei den anderen Aktien ist. Im Wikifolio „Predictable Consumer Stocks“ schaue ich deutlich stärker auf das mögliche Risiko und eine ausgewogene Portfoliozusammensetzung, sodass hier aktuell neben E-Commerce auch Immobilien und Healthcare vorhanden sind.

      Langfristig rechne ich also im Wikifolio „Value/Bollinger“ mit höheren Renditen, aber auch höheren Schwankungen, bei denen man sich als Anleger fragen muss, ob man diese „verkraften“ kann. Zudem kann ich hier nur deutsche Aktien handeln (ist im Anlageuniversum vorgegeben), vielversprechende Unternehmen wie bsp. Teladoc sind hier also nicht mit drin.
      Wenn du also mit höheren Schwankungen klar kommst ist vielleicht auch das „Value/Bollinger“-Wikifolio für dich interessant, jedoch würde ich beachten, dass du beim Verkauf (mit Buchgewinnen) Steuern zahlst und somit einen geringeren Betrag bei der Wiederanlage hast.

      VG Basti

  4. Toni

    Hey Basti!
    Danke für die gute Antwort; das mit den Steuern habe ich auch im Kopf; glücklicher(leider)weise habe ich aber noch meinen Verlusttopf; das sollte passen…
    Ich durchdenke das, sehe das begrenzte Universum auch als (kleinen und durchaus vertretbaren) Nachteil; schauen wir mal… zunächst einmal erneut ein aufrichtiges „Danke“
    VG, Toni

    1. Bastian Brach

      Alternativ könntest du beispielsweise auf das Wikifolio „Value/Bollinger“ setzen und dir die internationalen Aktien aus dem Wikifolio „Predictable Consumer Stocks“ selbst ins Depot legen, dann hättest du diesen Nachteil nicht mehr.

      VG Basti

  5. Toni

    Zwei Dumme, ein Gedanke, ohne dich beleidigen zu wollen 🙂
    So… oder so ähnlich… Entscheidung aber noch nicht final… ich vermute, du entscheidest ansonsten beim „Value/Bollinger“ ähnlich wie bei PCS, so wie grundsätzlich ja auch in deinen Börsenradio-Interviews skizziert?! Ich frage nur, weil mich im V/B schon ein wenig die hohe Delivery Hero Gewichtung irritiert (im Gegensatz zu HF deutlich schlechtere Zahlen) und ich keine rechte Begründung aktuell finde…
    wie dem auch sei, erstmal dir und uns allen hier ein gutes neues Jahr!
    VG Toni

    1. Bastian Brach

      Delivery Hero ist wohl das beste Beispiel, um die Unterschiede zwischen beiden Wikifolios zu beschreiben. DH ist zwar die riskantere Aktie (da das Margenprofil noch nicht so klar erkennbar ist wie bsp. bei Hellofresh und Home24), aber bietet auch erhebliche langfristige Chancen, wenn man weiterhin so stark wachsen kann. Daher ist die Gewichtung in Value/Bollinger so hoch, weil ich dort vor allem auf die langfristig höchste Rendite achte, während die Gewichtung in PCS aufgrund der möglichen Risiken geringer ist.

      Ich werde wohl auch nochmal zu Delivery Hero was schreiben, aber hier einmal die wichtigen Punkte:
      – man ist mittlerweile in einzelnen Regionen (konkret EMEA) profitabel
      – das Wachstums ist extrem hoch und wird sich durch die Übernahme von Woowa nochmals beschleunigen
      – mittlerweile gehe ich davon aus, dass alle drei Geschäftsmodelle (Plattform, Own-Delivery, Dark Stores/Kitchen) sehr profitabel betrieben werden können, gerade in Schwellenländern
      – die langfristige Marge wird wohl bei 5%-8% vom GMV liegen; dies wäre dieses Jahr ein hypothetischer operativer Gewinn von über 1 Mrd. € (inkl. Woowa) und dafür ist die Bewertung gerade bei dem Wachstum noch günstig

      VG Basti

  6. Toni

    Ja, super, das erklärt (d)einen Ansatz… aber da bin ich ehrlich gesagt spätestens raus, klingt bis hierhin für mich noch ein wenig nach „wenn, dann….leicht spekulativ“ … wobei ich eingestehen muss, dass ich erstmal „Dark Kitchen“ googlen musste. Und der letzte Satz auf ktchnrebel.com war amüsant: „Vielleicht doch Containervermieter werden?“ Spannend allemal.
    Basti, ich freue mich über weitere Artikel und werde dir weiterhin folgen!
    Danke und schönen Abend noch, Toni

  7. Hugo

    Delivery ist eine Geldvernichtungsmaschine die immer höhere Verluste machen in Deutschland gar kein Geschäft machen daher nie im dax sein dürften und als Krönung verschenken sie noch enorme Aktien Pakete massgebliche Fonds und reiche (ERFOLGREICHE) Anleger sind hier massiv Short
    auch Westwing war vor der pleite und wurde jetzt kurzfristig durcj „Corona“ gerettet die Bewertung ist jedoch jenseits von allen und die Gewinne sind minimal das geschäftsmodell ist dauerhaft nicht profitabel

    1. Bastian Brach

      Moin Hugo,

      bereits zum IPO waren sehr viele Anleger und auch namhafte Investoren negativ eingestellt und haben die Aktie geshortet, weil sie das Geschäftsmodell bzw. die Unit Economics nicht verstanden haben. Diese haben seit IPO weit mehr als 400% Negativrendite erwirtschaftet (inkl. Leihgebühr für die Aktie), während Anleger der ersten Stunde sich über eine Ver-5-fachung freuen können. Dass DH Aktien-Pakete verschenkt ist einfach falsch.
      Das Westwing und auch Home24 vor Corona unter verschiedenen Problemen litten habe ich ja bereits in dem Artikel geschrieben. Mittlerweile haben sich jedoch auch hier die Unit Economics massiv verbessert und in der Zukunft wird man auch wieder wachsen können.

      Wir können gerne über beide Aktien diskutieren, aber bitte mit gehaltvollen Argumenten, die über „verlieren Geld“, „kein Geschäft in Deutschland“ etc. hinausgehen.

      VG Basti

  8. Anonymous

    Hi Basti!
    Ja, wenn ich bzgl DH gestern schrieb „spätestens jetzt bin ich raus“, dann fühle ich mich mit deinem Hinweis, dass namhafte Investoren ähnlich denken, nicht ganz so allein… allerdings wider besseren Wissens, nur dass, was man halt allgemein so liest und hört (so wie im Kommentar zuvor von Hugo).
    Aufklärung täte gut; kein Appell, aber freue mich schon auf deinen geplanten Artikel zu DH; vielleicht wird da einiges klarer…
    Grüße, Toni

    1. Bastian Brach

      Moin Toni,

      da ich sehe, dass hier viele daran interessiert sind, wird so ein Artikel wohl kommen.
      Du kannst dir als Vorbereitung ja bereits die 3 verschiedenen Geschäftsmodelle, die DH vereint, anschauen:
      – Plattformgeschäft, bei dem das Restaurant die Speisen liefert (hochprofitabel; siehe Takeaway.com in NL)
      – Plattformgeschäft mit eigener Auslieferung (weniger profitabel, jedoch zeigen die Unit Economics von DoorDash, dass es gut funktioneren kann)
      – Ghost Kitchen/Dark Stores (ähnlich zu Gorillas in Deutschland; extremer Wachstumsmarkt, hohes Margenpotential)

      VG Basti

  9. Anonymous

    so sei es… insbesondere der Ghostkitchen-Ansatz klingt sehr interessant und m.E. gut nachvollziehbar, wenn auch nicht so predictable wie deine anderen Werte.
    Besten Dank und schönen Donnerstag,
    Toni

  10. Rob

    Hi Basti, warum kaufst du Vonovia eigentlich nicht nach? Bei deutlich höheren Kursen hattest du nachgekauft, jetzt aber nicht?
    Danke dir (auch für eine Mini-Einschätzung zur weiteren Entwicklung von Vonovia)!

    1. Bastian Brach

      Moin Rob,

      ich finde Vonovia auf langfristige Sicht weiterhin aussichtsreich, allerdings erwarte ich in den nächsten Wochen bis zu den Q4 Zahlen (04.03.) keine nennenswerte Impulse. Im Gegensatz dazu sehe ich bei Delivery Hero und Home24 auch kurzfristig höheres Potential, beide Unternehmen veröffentlichen ihre Zahlen bereits Anfang Februar. Zudem steht der IPO von Mobly an, der zusätzlich für positive Entwicklungen sorgen könnte.

      Es ist also keine Entscheidung gegen Vonovia, sondern für H24 und DH. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass ich dann in den nächsten Monaten Vonovia wieder etwas höher gewichte. Operativ läuft alles gut, der Kursrückgang hat wohl vor allem mit den gestiegenden Renditen auf dem Anleihemarkt zu tun. Vonovia-Anleihen sind jedoch sehr stabil, die Zinssätze auf absolutem Tiefpunkt, sodass Vonovia bei zukünftigen Refinanzierungsrunden noch weniger Zinsen zahlen muss. Auch die weitere Entwicklung der Pandemie sollte keinen Einfluss auf das Geschäft haben. Das Ziel für 2021 bleibt also weiterhin bei 67€/Aktie + 1,69€ Dividende.

      VG Basti

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