Wikifolio-Update (Woche vom 05.04.2021)

Wikifolio-Update (Woche vom 05.04.2021)

Performance-Vergleich

In der vergangenen Woche hat sich die V-förmige Erholung des Wikifolios fortgesetzt, sodass die Verluste seit Jahresbeginn nahezu vollständig wieder aufgeholt werden konnten. Das 1. Quartal ist bereits wieder vorbei und in den nächsten Wochen beginnen die ersten Unternehmen mit der Veröffentlichung der Quartalszahlen – Delivery Hero startet Ende April. Auf Wochenbasis gewann unser Wikifolio 3,3%, von 385,64€ ging es auf 398,44€. Der Vergleichsindex CDAX gewann 0,9%. Damit liegt die Underperformance aktuell bei 11,4% seit Jahresbeginn (YTD: -1,1% Wikifolio; +10,3% CDAX).

Hellofresh: Schätzung der Q1-Zahlen

Nach dem außergewöhnlich guten Jahr 2021 beginnt auch das Jahresauftaktquartal sehr gut für Hellofresh. Man konnte in nahezu allen Ländern die Marktanteile ausbauen und sollte nach meiner Einschätzung die im Q4-Analysten-Call angekündigten 70% Umsatzwachstum deutlich übertreffen. Vor allem in Frankreich und den nordischen Ländern wächst man weiterhin sehr stark. Auch für das Gesamtjahr bin ich optimistisch, dass man die eigenen Wachstumsziele (20%-25% Wachstum) und die Erwartungen der Analysten (23% Wachstum) deutlich übertreffen kann.

Wichtig wird vor allem die Entwicklung der Kundenzahlen nach dem Ende von Corona. Zum Ende von Q2 werden die wichtigsten Länder von Hellofresh nahezu alle Corona-Maßnahmen beendet haben (USA, UK, Australien, Neuseeland mit ca. 70% Umsatzanteil), sodass man spätestens im 3. Quartal endgültig weiß, wie viele Kunden den Service nur während Corona genutzt haben. Ich gehe weiterhin aufgrund der Erfahrungen in Australien/Neuseeland und aufgrund von Umfragen davon aus, dass sich die Zahl der Kündigungen relativ gering ausfallen wird, die Orderfrequenz und Ordergrößen jedoch leicht rückläufig sein werden.

Linas Matkasse: Der nächste Kochboxen-IPO

Nachdem bereits Hellofresh, BlueApron, MarleySpoon und MyFoodBag an der Börse gelistet ist, hat auch der schwedische Vorreiter des Segments Linas Matkasse den Schritt an die Börse gewagt. Der Schritt erfolgt vor allem, damit die Altinvestoren ihre Anteile verkaufen können, Linas Matkasse erzielt selbst nur geringe Erlöse, die vollständig in die Rückzahlung von Verbindlichkeiten gesteckt werden. Die Bewertung liegt bei ca. 100 Mio. €, was einem KUV von 0,9 entspricht, allerdings durch das geringere Wachstum (man erwartet ca. 10% p.a.) und die hohe Konkurrenz durch Hellofresh und Marley Spoon erklärt werden kann. Im Vergleich zu 2018 (dem Jahr des Hellofresh-Markteintritts) ist der Umsatz in 2020 sogar gesunken.

Delivery Hero: Investmentrunde bei Glovo

Vor einigen Wochen wurde eine neue Investmentrunde bei dem Delivery-Startup Glovo bekannt gegeben und seit dieser Woche ist klar, dass Delivery Hero seinen Anteil an dem Unternehmen, welches sich auf Südeuropa und Nordafrika konzentriert, deutlich auf ca. 37% ausgebaut hat. Zuvor hatte man im Jahr 2018 bereits für ca. 70 Mio. € Anteile gekauft. Das Unternehmen wird aktuell mit 2 Mrd. € bewertet und wird sich in Zukunft ebenfalls auf das Q-Commerce-Geschäft mit lokalen Warenhäusern konzentrieren. Durch das Investment partizipiert Delivery Hero auch an der Entwicklung des Sektors außerhalb der eigenen Länder. Zudem kann man durch das Mitspracherecht verhindern, dass Glovo in die Länder von Delivery Hero einsteigt und für Konkurrenz sorgt. Bereits im letzten Jahr verkaufte Glovo sein Geschäft in Südamerika für einen vergleichsweise geringen Preis an Delivery Hero.

Ich freue mich über jede Bewertung, Anmerkung und Kritik:
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Dieser Beitrag hat 9 Kommentare

  1. Analyst

    Hi Bastian, HF vergrault schon wieder zig Kunden, weil sie Paprika durch Aubergine oder Zucchini ersetzen und Frühlingszwiebeln durch Petersilie. Das ist ein „Detail“, welches jedoch dafür sorgt, dass viele Kunden (zu Recht) abspringen. Wenn ich schon den teuren Service in Anspruch nehme, dann muss ich doch das bekommen, was ich bestellt habe. Wenn ich in ein Restaurant gehe und Pizza mit Salami bestelle und dann Pizza mit Schinken bekomme, bin ich ja auch nicht glücklich und werde diese Pizzeria wohl meiden.
    Wie siehst du das Thema? HF ist natürlich abhängig von seinen Lieferanten der Lebensmittel, aber wie kann HF das irgendwie in den Griff kriegen? Oder müssen wir davon ausgehen, dass das Problen nicht lösbar ist und Kunden einfach verloren gehen.

  2. Jan

    Ich bin selbst HF Kunde und kann sagen, dass es tatsächlich ärgerlich ist, wenn diese Zutaten ausgetauscht werden, oder fehlen und ich möchte auch, dass HF dieses Problem in den Griff bekommt.

    Was auch stimmt: Ich denke aktuell nicht daran, HF zu kündigen, weil HF mir durch die Kochboxen viel Zeit abnimmt und ein echtes Alltagsproblem gelöst bzw. deutlich vereinfacht wird. Aso bleibe ich bei HF. Das nennt man dann wohl Burgraben des Unternehmens. Nur (m)eine Einzelmeinung…

  3. Rob

    Mich regen diese Quali-Probleme bei HF tierisch auf mittlerweile. Das war ja an Weihnachten auch schon so, und man kriegt es einfach nicht in den Griff. Ob selbst verschuldet oder nicht ändert leider an dem mangelhaften Erlebnis für den Kunden nichts. Ich kann jeden Kunden verstehen, warum soll ich bei HF bestellen, wenn ich für den Aufpreis auch noch so viele Probleme mitgeliefert bekomme?

  4. Eric

    Finde ich persönlich sehr bedauerlicher, aber was hat das mit der Wikifolio Anlage zu tun? Für diese Diskussion gibt es doch sicher andere Plattformen. Basti hat ja mehrfach (gefühlt wöchentlich) dazu Stellung bezogen und sein weiter hohes Invest in HF begründet.

  5. Rob

    @ Eric: Um das gehts doch hier nicht. Wir kennen alle die Meinung von Basti. Es ist nur nun mal so, dass Basi meistens top informiert ist und daher gut einschätzen, welche Konsequenzen diese Probleme für HF haben. Was mich interessieren würde: Obst und Gemüse ist mittlerweile teilweise 100% teurer als vor einem Jahr. Wie geht HF damit um? Denkst du, dass die Erhöhung auf den Kunden umgelegt wird? Oder wenn nicht, müssen wir mit Margenreduzierungen rechnen?

    1. Bastian Brach

      Moin Rob,

      es handelt sich hier um ein temporäres Problem, welches aufgrund von externen Effekten entstanden ist und nur einen geringen Teil der Gesamtkundschaft von Hellofresh trifft (Deutschland hat ca. 10% Gesamtanteil). Wenn man dieses Problem in den nächsten Wochen lösen kann wird man die Auswirkungen kaum spüren.

      Hellofresh hat Verträge direkt mit den Erzeugern und ist daher weniger Preisschwankungen ausgesetzt. Falls es zu starken Preiserhöhungen bestimmter Zutaten kommt, wird Hellofresh voraussichtlich die Menüs so anpassen, dass weniger dieser Zutaten verwendet werden.

      VG Basti

  6. Julian

    Top Blog, ich bin gespannt wie die nächsten Wochen aussehen!

    Werde auf jeden Fall regelmäßig reinschauen.

  7. Peter

    Hallo Bastian

    Sehr interessanter Artikel.
    Gehst du davon aus, dass man bei Hellofresh auch bei der Marge die Erwartungen deutlich übertreffen und seine Prognose erhöhen wird? Ich denke aufgrund des andauernden Lockdowns in Europa sollten deutlich weniger Marketingkosten angefallen sein bzw anfallen, als in der ursprünglichen Prognose miteinberechnet.

    Gruß Peter

    1. Bastian Brach

      Moin Peter,

      das hängt von verschiedenen Dingen ab:
      – Wie stark investiert Hellofresh in die Neukundenakquise?
      – Wie lange dauert der Lockdown in Kontinentaleuropa (USA, UK, Australien und Neuseeland werde bereits in Q2 wieder Normalität haben und machen 70% der Umsätze aus)?
      – Wie schnell rollt man neue Länder und Marken (Factor, Everyplate) aus?

      Für die langfristige Entwicklung wird vor allem die Brutto- und Deckungsbeitragsmarge entscheidend sein, auf diese muss man sich als Anleger aktuell konzentrieren. Dennoch denke ich, dass man zumindest das obere Ende der aktuellen Margenziele erreicht.

      VG Basti

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