Vonovia: Q2-Zahlen und DW-Übernahme

Q2-Zahlen

Vonovia hat sehr starke Q2-Zahlen vorgelegt und gleichzeitig seine Prognose für das operative Ergebnis im laufenden Jahr erhöht. Dies lag unter anderem an einer starken Entwicklung von Bestandsvermietung (nachdem der Mietendeckel für verfassungswidrig erklärt wurde) und einer sehr starken Entwicklung der Immobilienverkäufe. Hier betrug der Aufschlag zum Buchwert knapp 40%. Dies wird in der öffentlichen Debatte oftmals vernachlässigt: Dadurch, dass Immobilienkonzerne den Wert der Immobilien nicht am Marktwert orientieren, sondern nach anderen Bewertungsverfahren – basierend auf Mieten, Mietenwachstum und Makrofaktoren – bilanzieren, liegt der Bilanzwert erheblich unter dem Wert der Wohnungen auf dem freien Markt. Würde eine Bewertung auf Basis des Marktwertes bilanziert werden, dann wäre das Immobilienvermögen von Vonovia um ca. 24 Mrd. € höher und der Immobilienwert pro Aktie (NTA) bei 110€.

Quelle: Vonovia Q2 2021-Präsentation S. 9

Der bilanzielle NTA – an dem sich die Vonovia-Aktie in der Vergangenheit meist orientiert hat – stieg ebenfalls auf 68,44€. Dies ist noch etwas höher als ich in meiner Prognose vermutet habe und sollte bis Jahresende auf ungefähr 73€ pro Aktie steigen – dies ist deutlich höher als noch zu Jahresbeginn erwartet. Die Prognose für das operative Ergebnis wurde um 50 Mio. € auf 1.465 Mio. € – 1.515 Mio. € erhöht. Dies entspricht einem Nachsteuer-Ergebnis von 2,60€/Aktie oder einem aktuellen KGV von ca. 23, was für solch ein stabiles und zugleich wachsendes Unternehmen weiterhin niedrig erscheint. Operativ läuft es demnach weiterhin sehr gut.

Deutsche Wohnen-Übernahme

Anfang der Woche hat Vonovia zudem angekündigt einen neuen Versuch im Fall Deutsche Wohnen-Übernahme zu tätigen. Der Preis wurde um 1€ je Aktie erhöht, zudem hält man aktuell bereits 30% der Aktien. Ich schätze die Chancen einer Übernahme recht gut ein, da der CEO Buch sicher nicht ein zweites Mal in so kurzer Zeit an dem Vorhaben scheitern möchte. Wirklich viel hat sich abgesehen von der leichten Preiserhöhung nicht verändert, doch aufgrund des deutlich gestiegenen Aktienpreis seit der Ankündigung des ersten Übernahmeversuchs lohnt sich eine mögliche Übernahme noch mehr. Die Ankündigung des zweiten Übernahmeversuchs zeigte auch einmal mehr, wie unberechenbar die Börse sein kann. Während die erste Ankündigung zu einem dramatischen Kursrückgang um mehr als 5% gesorgt hatte, wurde dasselbe Ereignis – sogar zu einem höheren Preis – am Montag mit einem Plus von 3% quittiert. Daher ist es umso wichtiger sich seine eigenen Gedanken und Analysen machen, um von solchen Kursverlusten nicht verunsichert zu werden. Hier können Sie nochmal meine Analyse zu der geplanten Übernahme lesen.

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Dieser Beitrag hat 3 Kommentare

  1. Jonas

    Basti, jetzt hast mich abgehängt. Du schreibst diesen super Artikel über Vonovia, und 4 Tage später verkaufst du die ganze Position im WikiFolio? Warum das? Ich hoffe nicht, dass das Argument ist, weil jetzt mal wieder eine 10%ige W-Keit vorliegt, dass rot-rot-grün an die Macht kommt? Außerdem würde sich ja auch nichts ändern was z.B. die Divergenz zwischen Buchwert der Immobilien und Marktwert der Immobilien betrifft. Bin ziemlich ratlos um ehrlich zu sein.

    1. Bastian Brach

      Moin Jonas,

      das Geschäftsmodell und Unternehmen an sich ist weiterhin sehr gut, aber ich hab ja bereits in allen vorigen Artikeln geschrieben, dass das politische Risiko mit RRG einfach viel zu hoch wäre. Flächendeckende Mietendeckel, verschärfte Mietpreisbremsen und Verbot von Modernisierungsumlagen sind da nur die aktuell angekündigten möglichen Verschärfungen.

      Nicht nur der Trend spricht für RRG, mittlerweile hätten die drei Parteien bei einer Wahl (nach den neuesten Prognosen) auch heute die absolute Mehrheit. Dieses Risiko (was auch langfristig problematisch ist, nicht wie kurzfristige Kurseinbrüche) will ich keinem Anleger zumuten. Ich halte es einfach nicht für sinnvoll Immo-Aktien in so einer Phase zu halten. Man hat bereits am Beispiel von EON und RWE gesehen, wie wenig es bringt ertragreiche Geschäftsmodelle zu haben, wenn die Politik negativ interveniert (damals war es der Atomausstieg 2011 mit jahrelangen Talfahrten der Aktien).

      Es ist noch nicht sicher, ob RRG wirklich kommt, aber aktuell schätze ich die Wahrscheinlichkeit dafür doch recht hoch ein. Für mich auf jeden Fall zu hoch.
      Mein Plan ist es daher das Geld aus dem Verkauf der Vonovia Aktie in mehrere kleine Positionen zu investieren und etwas Cash für weitere Zukäufe bzw. Rückschläge aufzubauen.

      VG Basti

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