Jahresrückblick Teil 4: Home24

Jahresrückblick Teil 4: Home24

Entwicklung bis 2020

Nach dem erfolgreichen Börsengang folgten bei Home24 eine Reihe an Enttäuschungen. Statt profitablem Wachstum gab es Logistikprobleme und ein immer kleiner werdendes Bargeld-Polster, sodass zwischendurch um die Zukunft des Unternehmens gefürchtet wurde. Die Marktkapitalisierung lag zweitweise unter dem Cash-Bestand; das operative Geschäft wurde demnach als wertlos betrachtet. In 2019 schaffte Home24 jedoch den Turnaround und löste die Logistikprobleme, sodass spätestens ab Q4 2019 klar wurde, dass Home24 gute Chancen hat zu überleben und zukünftig profitabel zu wachsen.

Dann kam jedoch Corona und die allgemeine Unsicherheit machte auch der Home24-Aktie zu schaffen. Ähnlich wie im Mode-Business der Global Fashion Group ging der Markt anfangs davon aus, dass Konsumenten auf den Kauf von Möbeln und Einrichtungsgegenständen verzichten. Da die Liquiditätssituation weiterhin angespannt war und Home24 nur noch ca. 40 Mio. € auf der hohen Kante hatte, wurden die Stimmen von Skeptikern wieder lauter – eine Insolvenz wäre bei langanhaltendem Konsumverzicht wohl die Folge gewesen.

Entwicklung in der Corona-Krise

Doch mit Veröffentlichung der Q1-Zahlen im Mai äußerte sich der Vorstand sehr positiv zur Entwicklung von Home24. Bereits im April lagen die Bestellungen 88% über Vorjahresniveau und auch in den folgenden Monaten war die Nachfrage hoch, auch wenn sich das Bestellwachstum bei 40%-50% einpendelte. Dies war dennoch weitaus höher als die damaligen Analystenschätzungen, die bei 15% Umsatzwachstum und negativer operativen Marge lagen. Durch Skaleneffekte und verringertem Marketing konnte jedoch auch die Marge stark ansteigen, sodass diese in 2020 im mittleren einstelligen Bereich liegt.

(Quelle: Home24 Q1-Präsentation)

Die damalige Konstellation war für eine Investition hervorragend: Durch die Corona-Krise schien es so, als ob die Wahrscheinlichkeit einer Insolvenz sehr hoch war. Daher wurde Home24 nicht wie ein Wachstumsunternehmen, sondern nur noch mit der Insolvenzmasse (hauptsächlich dem Cash-Bestand) bewertet. Das KUV lag zu diesem Zeitpunkt bei 0,15. Doch im Mai war sichtbar, dass Home24 in dieser Krise zu den Profiteuren gehören wird und das Wachstum sogar beschleunigen kann. Dadurch war die Insolvenzgefahr gebannt und mittlerweile wird das Unternehmen wieder nach seinem Wachstum bewertet. Der Anstieg der Aktie seit dem Tief beläuft sich mittlerweile auf mehr als 600%.

Änderungen in der Wahrnehmung eines Unternehmens versprechen für Investoren die größten Chancen. Ähnlich zu Home24 zeigte sich das auch bei Hellofresh im Jahr vor der Corona-Krise. Anfang 2019 wurde das Unternehmen zwar nicht als Insolvenzkandidat gehandelt, doch der Markt hatte starke Zweifel am Geschäftsmodell. Als die Wachstumsraten jedoch weiterhin hoch waren und die Profitabilität anstieg, wurde Hellofresh als aussichtsreicher Wachstumskandidat gesehen – die Aktie stieg in 2019 um mehr als 200%.

Fazit

Home24 konnte die Corona-Krise hervorragend nutzen, um die Liquidität deutlich zu steigern und den Kapitalmarkt von sich zu überzeugen. Zuletzt konnte man sogar wieder eine Kapitalerhöhung durchführen, in 2021 steht der Börsengang des Brasiliengeschäfts an, welcher zusätzliche Impulse geben könnte. Zwar wird sich das Hyper-Wachstum der Aktie (aufgrund der sich verändernden Investorenmeinung) im neuen Jahr nicht wiederholen, dennoch erscheint das Unternehmen aufgrund der Wachstums- und Profitabilitätsaussichten weiterhin unterbewertet. Das faire KUV liegt bei 1,1-1,6, abhängig davon wie stark Home24 in den nächsten Jahren wachsen kann und wie profitabel gearbeitet wird. Bei einem KUV von 1,3 ergibt sich ein Kursziel von 25€ und ein Potential von 33% für das kommende Jahr.

Ich freue mich über jede Bewertung, Anmerkung und Kritik:
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Dieser Beitrag hat 2 Kommentare

  1. Marc

    Hi Basti,
    Danke für den tollen Artikel.
    Wie siehst du denn den Dezember bisher? Aufgrund des Lockdowns weiterhin starke Zahlen oder?
    Gehst du davon aus, dass es einen Backlog geben wird, der ins Jahr 2021 „mitgenommen“ wird? Danke dir.

    1. Bastian Brach

      Moin Marc,

      für Home24 läuft es aktuell sehr gut. Mitte November hatte man in einer Pressemitteilung von über 60% Wachstum der Auftragseingänge gesprochen, dieses Wachstum hat sich seitdem sogar noch beschleunigt, auch Black Friday und Cyber Monday liefen sehr gut. Das Geschäftsmodell hat aufgrund der höheren Lieferzeiten traditionell einen höheren Backlog als bsp. der Versand von Kleidung und Lebensmitteln, in Corona-Zeiten ist dieser sogar noch höher. Q1 sollte dadurch ein sehr hohes Wachstum möglich sein – unter der Voraussetung, dass operativ alles glatt läuft.

      VG Basti

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