Jahresrückblick Teil 2: Global Fashion Group

Jahresrückblick Teil 2: Global Fashion Group

Aufnahme ins Wikifolio

Die Global Fashion Group kam zum Anfang des Jahres erstmals ins Wikifolio. Damals lag die Bewertung bei gerade einmal 400 Mio. € bzw. einem KUV von 0,3. Global Fashion Group kann man als Zalando der Schwellenländer bezeichnen; in Russland, Südamerika, Australien und Südostasien ist man Marktführer im Bereich Fashion. Die Wachstumsraten lagen in etwa auf dem Niveau von Zalando, jedoch gibt es erhebliche Währungsrisiken (die im Laufe des Jahres ein Thema werden sollten) und durch die Holdingstruktur ist die langfristige Marge etwas geringer als bei Zalando. Die faire Bewertung habe ich mit einem KUV von 1,5 angesetzt (Zalando KUV: 2,5), was damals einem Potential von 400% entsprach.

Auswirkungen der Corona-Krise

Erste Phase – Konsumzurückhaltung

Mitte Mai habe ich die Aktie dann kurzfristig komplett aus dem Wikifolio verkauft. Im Nachhinein sind die Auswirkungen der Corona-Krise relativ einfach zu bestimmen, doch zu dem Zeitpunkt war die Verunsicherung groß und die Konsumlaune gering. Gerade für nicht-notwendige Konsumprodukte wie Kleidung war die Aussicht alles andere als rosig und die Kunden hielten sich (vor allem in den Schwellenländern) zuerst einmal zurück. Da zu diesem Zeitpunkt gleichzeitig bereits abzusehen war, dass Hellofresh, Westwing und Home24 die großen Krisengewinner waren, habe ich in diese Werte umgeschichtet.

Zweite Phase – Verlagerung zu Online

Ab Juni war der erste Schock dann vorüber und die Konsumenten der Schwellenländer begannen wieder mit dem Kauf von nicht-notwendigen Dingen, u. a. auch Kleidung. Dabei profitierte GFG zusätzlich von der Verschiebung der Distributionskanäle in Richtung Online. Dies konnte ich damals sehr gut über meine Analysetools beobachten, die einen deutlichen Anstieg der Suchanfragen und Website-Aufrufe signalisierten. Daher kaufte ich die Aktie wieder ins Wikifolio – nur einen Monat nachdem diese rausgeflogen war. Psychologisch ist sowas manchmal schwierig umzusetzen, wenn man die Aktie kurze Zeit später zu einem höheren Kurs wiederkaufen muss, aber in solchen Momenten hilft es nicht der Vergangenheit nachzutrauern; allein die zukünftige Entwicklung ist für die Kaufentscheidung wichtig.

Nach einer ersten Schockphase lag das Wachstum über dem Vor-Corona-Wert (Quelle: S.13 Q1 Präsentation GFG)

Währungskrise in Brasilien und Russland

Die Entwicklung ab Juni lief sowohl operativ als auch vom Kurs hervorragend. Innerhalb von nur zwei Monaten stieg die Aktie vom Kaufkurs 2,15€ bzw. 2,80€ bis auf 6,30€. Die Geschäfte liefen gut, allerdings hatten Länder wie Russland und Brasilien zunehmende Probleme mit dem Corona-Virus, sodass die Währungen im Vergleich zum Euro immer schwächer wurden. Diese Währungsabwertungen verringerten den für deutsche Anleger entscheidenden Euro-Umsatz immer weiter, trotz hohem Umsatz-Wachstum in Landeswährung.

Doch damals glaubte ich, dass die (eigentlich für jeden Anleger sichtbare) Währungsabwertung bereits in den Kursen eingepreist war. Diese Einschätzung war ein Fehler, vor allem vor dem Hintergrund, dass GFG damals noch nicht im SDAX vertreten war und somit sehr viele (weniger informierte) Privatanleger die Aktie handelten. Die Veröffentlichung der Zahlen führte deshalb zu einem deutlichen Kurssturz, der bis auf 3,90€ runter ging.

Zusätzlich kam es zu dieser Zeit zu weiteren Währungsabwertungen, die den Euro-Umsatz noch für einige Quartale belastet hätten. Zusammen mit der Annahme, dass die Anleger hauptsächlich auf den Euro-Umsatz schauen, welcher über mehrere Quartale nicht substantiell wachsen wird, habe ich mich dazu entschieden einen Teil der Position zu verkaufen und erst einmal abzuwarten, bis die Währungsabwertung zumindest gestoppt ist.

SDAX-Aufstieg und Aktienanstieg

Nach meinem Teilverkauf lief die Aktie bis zum September erst einmal seitwärts. In diesem Monat wurde GFG überraschenderweise in den SDAX aufgenommen. Dies hatte zwei Folgen: Zum einen wurden (u. a. durch das gesteigerte Handelsvolumen) mehr professionelle Anleger auf die Aktie aufmerksam, was zu einem Nachfrageüberhang führte; zum zweiten achteten die neu eingestiegenen, professionellen Anleger eher auf die organische Umsatzentwicklung anstatt auf die Euro-Umsatzentwicklung und waren dadurch bereit höhere Preise zu zahlen. In dieser Zeit habe ich den Wiedereinstieg verpasst und war bei der Unternehmensbewertung weiterhin zu sehr auf die Währungsproblematik fokussiert.

Im November – mittlerweile hatte die Aktie 8,50€ erreicht – habe ich einen weiteren Teil der Position verkauft. Mittlerweile war das Unternehmen fast 1,9 Mrd. € wert und hatte somit meinen fairen Wert (KUV = 1,5) erreicht. Da die anderen Unternehmen im Wikifolio größtenteils noch unter ihrem fairen Wert lagen und zudem auch in den Folgejahren ein höheres Wachstumspotential besitzen, war das Potential bei diesen Werten größer.

Aktuelle Position & Fazit

Insgesamt lief der Transaktionsverlauf der GFG-Aktie im Wikifolio durchwachsen. Zwar wurden insgesamt ordentliche Gewinne erzielt, es hätten jedoch auch noch deutlich mehr sein können. Der Teilverkauf nach dem enttäuschenden Quartalsbericht und der fehlende Nachkauf nach der SDAX-Aufnahme stellten sich im Nachhinein als (vermeidbarer) Fehler heraus. In der Zukunft werde ich meinen Fokus noch stärker auf die unterschiedliche Erwartungshaltung der beiden Investorengruppen – Privatanleger und professionelle Anleger – richten, denn dadurch hätte ich sowohl der Kursabsturz nach dem Quartalsbericht als auch den anschließenden Kursanstieg besser antizipieren können.

Aktuell beträgt die Positionsgröße der Global Fashion Group knapp 4%. Das Unternehmen hat weiterhin Wachstumspotential und befindet sich in einer interessanten Branche, jedoch ist der faire Wert mittlerweile erreicht und die Währungsproblematik besteht weiterhin. Dadurch, dass der faire Wert erreicht ist, gehe ich davon aus, dass die Aktie in etwa mit der Umsatzentwicklung der nächsten Jahre mitwächst. Die Bewertung könnte sich weiter erhöhen, falls GFG die Profitabilität noch weiter stark steigert auf 8-10% AEBITDA-Marge oder die Umsatz-Wachstumsraten in den nächsten Jahren oberhalb von 15% liegen. Ausgehend von meiner aktuellen Einschätzung sehe ich das Aktien-Potential der nächsten Jahre bei 15% p.a.

Ich freue mich über jede Bewertung, Anmerkung und Kritik:
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