Hellofresh: Q1 2022 Zahlen

Auch im ersten Quartal des neuen Jahres konnte Hellofresh an die Erfolgsgeschichte der Vergangenheit anknüpfen. Trotz des starken Vorjahresquartals mit Lockdowns in Deutschland und den USA konnte Hellofresh um 33% gegenüber dem Vorjahr auf über 1,9 Mrd. € Umsatz wachsen und dabei eine operative Marge von 5,1% erzielen, was beides deutlich über den Schätzungen der Analysten und von mir lag. Dieses Quartal waren die Schätzungen schwieriger als sonst, weil neben Ukrainekrieg und Inflation auch die Preiserhöhung in den USA Ende 2021 Einfluss hatte. Allerdings scheint es, als ob Hellofresh-Kunden die Preiserhöhung deutlich besser aufgenommen haben als gedacht und es zu keinen großen Kündigungswellen kam. Dies ist auch für zukünftige Preiserhöhungen gut zu wissen, da Hellofresh die Inflation wohl eins zu eins und ohne negative Auswirkungen an die Kunden weiterreichen kann.

In Q1 ist die Kundenzahl in den USA von 3,52 Mio. auf 4,25 Mio. gestiegen, International (ohne Preiserhöhung) von 3,7 auf 4,27 Mio. Auch AOV (USA: 59,2€ auf 63,1€; Int.: 47,8€ auf 47€) und Bestellrate (USA: 4,1 auf 4,1; Int.: 4,1 auf 4,0) deuten darauf hin, dass die Preiserhöhungen keinerlei negativen Auswirkungen gehabt haben. Wenn dies auch zukünftig gilt, wäre die Inflation für Hellofresh fast irrelevant, da man Preissteigerungen 1 zu 1 an Kunden weitergeben kann. Sollte sich dieser Trend auch in Q2 bestätigen (wo viele Länder außerhalb der USA ihre Preise anheben), dann hätte sich eines der größten Kritker-Argumente („bei steigendem Preis wird zuerst an HF gespart“) in Luft aufgelöst. Ab Q2 sollte die operative Marge dann auch wieder ansteigen, ab Q3 sogar eventuell wieder die hohen Vorjahreswerte übertreffen.

Die nachfolgende Folie zeigt auch, wieso es relativ wenig Sinn ergibt, Hellofresh genauso wie den Großteil der Corona-Gewinner abzustrafen: Während bei der Peer-Group aus anderen E-Commerce- und Food-Unternehmen der Höhepunkt der Umsätze in Q1 2021 erreicht war und sich die Umsätze seitdem sogar negativ entwickeln, schafft es Hellofresh weiter stark zu wachsen.

Es gehört zur Börse einfach dazu, dass Aktienkurse zeitweise von der Realität entkoppelt sein können. Trotz der Korrektur um nahezu 70% erzielt das Unternehmen bessere Resultate als noch zum Höhepunkt des Kurses erwartet und behält seinen Weg weiter bei. Die Bewertung mit dem 10-fachen vom operativen Gewinn ist weiterhin extrem niedrig für Hellofresh, bei über 20% Wachstum im Post-Corona-Jahr und einer Verdopplung der operativen Marge innerhalb der nächsten 3-4 Jahre.

Und um auch noch einmal zu verdeutlichen, wie gering die Erwartungen an Hellofresh sind: Das Analysehaus Alsterresearch (aktuelles Kursziel: 58€) veröffentlicht regelmäßig auch seine Umsatz- und Ergebnisschätzungen. Für 2026 erwartet Alsterresearch einen Umsatz von rund 8 Mrd. € und eine operative Marge von knapp 10%. Ich erwarte, dass man die 8 Mrd. € Umsatz bereits nächstes Jahr deutlich übertreffen wird und schon in 2024 Margen von mehr als 10% erreichen wird. Wenn dies so kommt wie von mir prognostiziert, dann wären auch die 95€ pro Aktie vom November (entspricht ca. 16 Mrd. € Marktkapitalisierung) überaus günstig.

Zudem haben gerade Anfang diesen Jahres langfristige Investoren für den UK-Konkurrenten Gousto eine Bewertung vom 4-fachen Umsatz bezahlt, obwohl Gousto nur in UK aktiv ist, ähnlich stark wächst und auch eine geringere Gewinnmarge hat, die dieses Jahr wohl nahe 0 liegt. Es ist natürlich richtig, dass private Bewertungen nicht immer die Börsenbewertungen widerspiegeln, aber dennoch ein Indiz darauf wohin die Reise gehen kann, sobald das Unternehmen das Vertrauen der Anleger mit weiteren guten Zahlen zurückgewinnt.

Ich freue mich über jede Bewertung, Anmerkung und Kritik:
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Dieser Beitrag hat 5 Kommentare

  1. Eric

    Vielen Dank Basti für deine Meinung zu den HF Zahlen. Im Gegensatz zu manchen posts hier (ich sage „getrolle“) sieht man die Tage ganz gut, dass du nicht stur ohne Grund an einer Aktie festhältst, sondern klar und fokussiert handelst.

    Ich meine damit die beiden Titel Hellofresh (top Zahlen, gehalten) und Teladoc (miese Zahlen, vorzeitig verkauft)!

  2. Mathias

    Hi,
    gute Bewertung, kann ich so unterstreichen – nicht zuletzt auch als Kunde bei Hellofresh. Gutes Geschäft mit guten Zahlen, denke ebenfalls, dass der Absturz, bzw. Abstrafung wie Du es beschreibst, nicht gerechtfertigt ist.

    Grüße,
    Mathias

  3. Tassilo

    Frage an Basti:
    Wie funktioniert das mit nun schwachem Euro, starkem USD?
    Das hilft Hellofresh sehr weil 50% vom Umsatz in USA ist oder?

    1. Bastian Brach

      Moin Tassilo,

      wenn die aktuellen Währungskurse ungefähr so bestehen bleiben, dann wird das Umsatzwachstum von HF in Q2 rund 6-7pp höher sein als das CC Umsatzwachstum.
      Die Tax Rate ist aktuell so hoch, weil HF Steuern in den Ländern zahlen muss wo Gewinn erzielt wird, aber keine direkte Steuerrückerstattung erhält in den Länder, wo HF Verluste macht. Bsp: 100€ Gewinn in einem Land, 50€ Verlust im anderen Land –> 25€ Steuern in Land 1, 0€ Steuern in Land 2 –> 25€ Steuern bei 50€ Gesamtgewinn. Dies wird sich im Laufe der Zeit aber normalisieren auf rund 25%, zudem erhält man bei Verlusten einen Verlustvortrag der später mit Gewinnen im selben Land verrechnet werden kann.

      VG Basti

  4. Tassilo

    Weiterer Vermerk, habe den Report von AlsterResearch überflogen.
    Die gehen für ihre 58€ Kursziel von 5.7% Wachstum pro Jahr aus für die nächsten 7 Jahre.
    Das ist lächerlich. Der Mealkitmarkt soll um 10-15% wachsen. Kann mir hier auch locker vorstellen, dass Hellofresh, als Marktführer, mit 20% wächst. Gibt ja noch Mittagessen, Frühstück, extra Zutaten die man eh immer braucht wie Milch, Eier, Früchte etc bestellen.
    Google wächst ja 20 Jahre später immer noch mit 20%, teils 30%

    Noch eine Frage, da steht was von tax rate 45%. Die gehen aber zukünftig von 25% aus, wie erklärst du dir a) dass Hellofresh so viel zahlte und b) wie man dann aber zukünftig mit nur 25% rechnet?

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