Hellofresh mit zu hoher Gewichtung? Wieso ich aktuell keine Anteile verkaufe!

Hellofresh mit zu hoher Gewichtung? Wieso ich aktuell keine Anteile verkaufe!

Ein gestiegener Aktienkurs und Zukäufe haben den Depotanteil von Hellofresh deutlich erhöht. In diesem Beitrag erkläre ich, wieso ich mich mit der hohe Gewichtung der Hellofresh-Aktie weiterhin sehr wohl fühle und wann ich Aktien verkaufen werde.

Die Gewichtung der Hellofresh Aktie in meinem Wikifolio beträgt mittlerweile 34%. Dies liegt an den deutlich gestiegenen Kursen seit dem Zwischentief Mitte März (+80% seit dem 13.03.2020) und an zwischenzeitlichen Zukäufen. Die Zukäufe wurden bei Kursen von 19,62€ (13.03.2020) bzw. 22,95€ (09.03.2020) getätigt. In der letzten Zeit wurde ich öfter gefragt, ob die Gewichtung nicht mittlerweile zu hoch ist. Daher werde ich nachfolgend meine Gründe für die hohe Gewichtung erläutern.

Krisengewinner Hellofresh

Nachdem Hellofresh Anfang März sehr gute Ergebnisse für das Jahr 2019 vorgestellt hat, ist die Aktie im Zuge der Corona-Panik bis auf 18€ abgestürzt. Das entspricht einem Minus von ca. 35% seit dem vorigen Hoch. Doch relativ schnell wurde den Marktteilnehmern klar, dass Hellofresh von den Corona-Maßnahmen profitiert und eine deutlich höhere Bewertung verdient.

Dies führte zu einer deutlichen Erholung bis Ende März. Zu dem Zeitpunkt hat Hellofresh zudem verkündet, dass das Umsatzwachstum sich in Q1 auf 70% beschleunigt hat und die Gewinne deutlich höher liegen als vorher erwartet. Mittlerweile gilt Hellofresh sogar als Krisengewinner und hat dadurch den Weg in viele Depots gefunden, die sich gegen eine langanhaltende Coronakrise absichern wollen.

Seit Januar hat sich der Anteil der wikifolios, die Hellofresh enthalten mehr als verdoppelt.
Seit Januar hat sich der Anteil der wikifolios, die Hellofresh enthalten, mehr als verdoppelt. (Quelle: https://www.wikifolio.com/de/de/s/de000a161408)

Marktteilnehmer unterschätzen Hellofresh weiterhin – Potential für Kurssteigerungen

Wie bereits im Blogbeitrag vom 02. April analysiert, sind die Schätzungen der Analysten nicht angemessen. Sowohl Umsatz als auch Gewinn für 2020 sind weiterhin zu niedrig angesetzt. Zudem schwindet die Hoffnung auf eine schnelle Rückkehr zum normalen Leben vor Corona immer weiter. Teilweise gehen Wissenschaftler sogar von Kontaktsperren und Einschränkungen des öffentlichen Lebens bis ins Jahr 2021 aus. Dies hilft Hellofresh aus zwei Gründen.

Grund 1: Geschlossene Restaurants und eingeschränkte Kreativität

Zum einen bleiben Restaurants auf unbestimmte Zeit geschlossen und Konsumenten sparen das Geld, was sonst für den wöchentlichen Besuch beim Italiener ausgegeben wird. Daher steigt die Bereitschaft sich qualitativ höherwertige Lebensmittel zu leisten. Zudem wird ein Großteil der Mahlzeiten nun zu Hause eingenommen. Wer nicht täglich den Lieferservice anrufen will (der im Übrigen teurer ist als Hellofresh, siehe Grafik unten) oder die immer gleichen Rezepte (Nudeln mit Tomatensauce, Schnitzel mit Pommes, Hühnchen mit Reis) kochen will, der bestellt sich öfter mal eine Kochbox.

Vergleich der Kosten für eine Mahlzeit von Hellofresh mit dem klassischem Lieferservice.
Vergleich der Kosten für eine Mahlzeit von Hellofresh mit dem klassischem Lieferservice. (Quelle: Präsentation Hellofresh zum Q3 2019)

Grund 2: Angst vor Kontakt im Supermarkt

Seit dem Ausbruch von Corona reduzieren Konsumenten die Frequenz der Supermarkteinkäufe. Manche gehen sogar aus Sorge vor einer Ansteckung nahezu gar nicht mehr einkaufen. Dies betrifft vor allem Menschen mit Vorerkrankung und ältere Menschen. Eine gute Alternative bieten da Online-Lieferdienste (Rewe, Flaschenpost etc.) und natürlich auch Kochboxen. In letzter Zeit erhöhte sich die Anzahl der Bestellungen pro Kunde bei Hellofresh deutlich. Statt drei Gerichten wöchentlich werden nun fünf bestellt, aus einer Kochbox pro Monat werden in Zeiten von Corona nun drei.

Es bleibt daher auch für die Hellofresh Aktie viel Potential nach oben, wenn Analysten nach und nach realisieren, welches Umsatzwachstum dieses Jahr möglich ist. Vor allem Q2 enthält meiner Ansicht nach noch einmal deutliches Überraschungspotential hinsichtlich Umsatz und Gewinn.

App-Analyse hilft beim Erkennen von Umsatzeinbrüchen

Auch wenn die Geschäftslage für Hellofresh aktuell sehr gut aussieht, sollte man natürlich die Risiken nicht außer Acht lassen. Eine tiefe Rezession in den USA und weltweit könnte die Kaufkraft signifikant verringern. Dies würde auch Hellofresh treffen. Konsumenten würden sich überlegen, ob sie nicht doch in den Supermarkt gehen und die Zutaten nachkaufen, anstatt einen Aufpreis für die Lieferung der Kochbox zu bezahlen. Zudem könnte es auch nach der Corona-Krise zu einem Einbruch kommen, wenn die zurückgewonnene Freiheit dazu genutzt wird Restaurantbesuche nachzuholen und auf das Kochen zu Hause wieder zu verzichten.

Doch dies lässt sich durch die Analyse von bsp. App-Downloads verhindern. Da Hellofresh als hauptsächlichen Vertriebsweg die eigene Website und die App hat, lassen die Downloadzahlen sehr genaue Rückschlüsse auf die Umsätze zu. Dies ist dann eine Basis für meine Neukunden- und Umsatzschätzungen.

Fazit: Hohe Hellofresh Gewichtung aufgrund des guten Chance-Risiko-Verhältnis

Insgesamt lässt sich also festhalten, dass Hellofresh von der aktuellen Krise so sehr profitiert wie nur wenige andere Unternehmen. Dies wurde von vielen Analysten und Marktteilnehmern jedoch immer noch nicht ausreichend berücksichtigt. Daher bietet die Aktie weiterhin Potential für Kursgewinne.

Nach unten ist das Risiko sehr begrenzt, da das regelmäßige Monitoring der Nachfrage und der stark schwankenden Marketingkosten frühzeitig Rückschlüsse auf die operative Entwicklung zulassen. Somit kann im Falle einer deutlichen Verschlechterung der Lage schnell reagiert werden.

Eine ausführliche Analyse zu den langfristigen Chancen und Risiken von Hellofresh finden Sie hier.

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