Hellofresh Aktie: Google Trends zeigen eine rosige Zukunft an

Google Trends als Analyse-Tool

In diesem Beitrag stelle ich am Beispiel von Hellofresh eines meiner Standard-Tools vor, um die zukünftigen Umsatzentwicklung abzuschätzen und bereits vor den offiziellen Quartalszahlen sehr genaue Prognosen zu erstellen, die weitaus präziser sind als die von Analysten und weiteren Marktteilnehmern.

Google Trends ist ein kostenloses Analysetool, um die Anzahl der Suchanfragen für ein bestimmtes Wort zu messen. Dies ist für die Analyse von Hellofresh sehr sinnvoll, da Kunden sich jede Woche in ihr Konto einloggen müssen, um die Gerichte auszuwählen. Ein Teil dieses Traffics kommt über die Google-Suchfunktion.

Allerdings verwende ich für eine höhere Genauigkeit noch weitere Dienste wie SimilarWeb, App-Statistiken und Co. Dadurch werden zum einen die Prognosen genauer, zum anderen kann man dadurch weitere Metriken wie bsp. den Anteil des gekauften Website-Traffics (ein guter Indikator für die Marketingausgaben) und den Anteil des Traffics über die App (nicht in Google Trends enthalten) ermitteln.

Hellofresh-Daten

Google Trends-Daten für Hellofresh von 2018 bis 2020. Die grüne gestrichelte Linie ist die Prognose ohne den Corona-Effekt.

Auf der vertikalten Achse ist die wöchentliche Anzahl der Suchanfragen dargestellt. Dies wird nicht in absoluten Zahlen gemessen, sondern in relativen Zahlen. In einer Woche mit dem Wert 100 wurde Hellofresh doppelt so oft auf Google gesucht wie in einer Woche mit dem Wert 50.

Die horizontale Achse zeigt die Kalendermonate Januar bis Dezember der jeweiligen Jahre. Die durchgezogenen Linien zeigen die tatsächlich gemessenen Daten. Die gestrichelte Linie zeigt die Prognose ohne den Coronavirus-Effekt.

Achtung: Bei der Prognose mithilfe von Analyse-Tools ist es nicht möglich die Daten einfach proportional auf mögliche Umsätze zu übertragen. Anteil der App-User, Anteil des Paid-Traffics, Unterschiede in den Segmenten, Entwicklung der Warenkorbgröße und Saisonalität sind weitere Einflussfaktoren, die ich in mein Prognosemodell aufnehme und die einen erheblichen Einfluss auf die Schätzungen haben. Die gezeigten Google-Trends-Daten bieten lediglich eine erste Indikation.

Entwicklung bis heute

Im Jahr 2020 lief es für Hellofresh bereits vor Corona hervorragend. Nach meinen Schätzungen belief sich der Umsatzanstieg bis Mitte März bereits auf ca. 48%. Durch die Lockdowns und Restaurantschließungen hat sich dieser Anstieg nochmal deutlich verstärkt. Hellofresh und andere Kochboxen-Unternehmen sprachen von 100%-200% Umsatzanstieg in der Zeit von Mitte März bis Mitte April. Dies lässt sich auch deutlich in den Daten erkennen, die Suchanfragen kletterten in nur 2 Wochen von 68 auf 100.

Nach dem ersten massiven Anstieg folgte eine Normalisierung. Aktuell schwankt der Wert für die Suchanfragen zwischen 75 und 80. Dies liegt jedoch noch deutlich über den Vorjahren und deutlich über dem prognostizierten Wert ohne Corona von 50-60. Der prognostizierte Wert basiert auf einer Fortschreibung der Umsatzentwicklung bis Mitte März von +48%. Werte über dieser Linie signalisieren also einen Umsatzanstieg, der über den ohnehin schon starken +48% Umsatzanstieg vom Jahresanfang liegen wird.

Es bleibt weiterhin spannend inwieweit sich diese Zahlen verändern werden, wenn schrittweise immer mehr Lockerungen bis hin zur vollständigen Normalität beschlossen werden. Sollte der aktuelle Trend von Hellofresh allerdings weiterhin anhalten, dann besteht eine sehr große Wahrscheinlichkeit, dass selbst die erhöhte Umsatzprognose von 40%-55% Umsatzwachstum noch deutlich zu konservativ ist und somit die Markterwartungen auch in den nächsten Monaten deutlich geschlagen werden.

Prognose für 2020

Bereits dieses Jahr wird Hellofresh aller Voraussicht nach mehr als 3 Mrd. € Umsatz machen. Und auch unter dem Strich wird dieses Jahr hervorragend ausfallen. Wenn man bedenkt, dass das mit Abstand schwächste Quartal Q1 bereits eine AEBITDA-Marge von 9% erzielt hat, dann ist Hellofresh auch hier auf dem Weg die Prognose von 6%-10% deutlich zu übertreffen. Ich gehe sogar von einer AEBITDA-Marge von 13-14% aus, was einer Netto-Gewinnmarge von ca. 10% entspricht.

Der Nettogewinn würde dann bei über 300 Mio. € liegen. Dies entspricht einem KGV von 20, was angesichts eines Umsatzwachstums von über 60% trotz der Steigerung des Aktienkurses in den vergangenen Monaten weiterhin deutlich zu niedrig ist. Natürlich ist dieses Wachstum nicht auf die Folgejahre übertragbar, doch selbst mit einem abgeschwächten Wachstum von 20%-30% p.a. ist ein solches KGV deutlich zu niedrig. Daher werde ich den Anteil im Wikifolio auch weiterhin hochhalten und zwischenzeitliche Rücksetzer (die immer mal wieder vorkommen) ohne Bedenken aussitzen. Sollten sich die Daten deutlich negativ verändern, dann werde ich nicht stur an der Aktie festhalten, sondern angemessen reagieren und die Position möglichweise verringern.

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