Global Fashion Group: Reduzierung der Position

Bereits im letzten Wochenrückblick hatte ich angekündigt die Gewichtung der Global Fashion Group im Wikifolio zu reduzieren. Nachdem ich kurz nach Veröffentlichung der Zahlen noch relativ positiv gestimmt war, bin ich nach ausführlicherer Analyse jedoch zu dem Ergebnis gekommen, dass ich bei der Aktie in den nächsten Quartalen nur sehr wenig Aufwärtspotential sehe.

Operative Entwicklung in den nächsten Quartalen

Die Coronakrise hat die Verschiebung von Offline zu Online auch in den Schwellenländern deutlich beschleunigt. Dennoch stehen Länder wie Brasilien, Russland und Co. gemessen am Anteil von Online-Fashion gerade erst am Anfang dieser Entwicklung, aktuell ca. 5-7 Jahre hinter der Entwicklung in Europa und den USA. Als Marktführer ist man hier in einer sehr guten Position, um eine ähnliche Entwicklung vor sich zu haben wie Zalando hierzulande und Wachstumsraten von 20% p. A. zu erreichen. Aufgrund der geografischen Unterschiede muss man jedoch zusätzlich noch die unterschiedlichen Währungen in Betracht ziehen, denn für Anleger im Euroraum ist letztlich der Gewinn in Euro maßgeblich und nicht in Brasilianischen Real oder Russischen Rubel.

Einfluss der Schwellenländerwährungen

Im Gegensatz zu Währungspaaren wie Euro – Dollar und Euro – dänische Krone, die zwar auch schwanken, aber langfristig auf einem ähnlichen Niveau notieren, sind Schwellenländerwährungen deutlich anfälliger für Abwertungen. Die Coronakrise und der darauffolgende Abzug von Geld aus diesen Ländern haben zu deutlichen Abwertungen geführt, von denen unklar ist, ob diese ungebremst weitergehen, sich auf dem aktuellen Niveau stabilisieren, oder wieder aufwerten.

Bis zuletzt war ich der Ansicht, dass es entweder eine Stabilisierung oder sogar eine Erholung der Schwellenländerwährungen gibt, wenn die Coronakrise im nächsten Jahr überstanden gibt. Aktuell gehe ich eher vom ersten Szenario einer weiteren Abwertung aus, was sich selbst nach dem Erreichen des Höhepunktes der Fallzahlen in Brasilien auch so bestätigt hat. Eine weitere (vor allem längerfristige) Währungsabwertung hat jedoch dramatische Folgen für Euro-Anleger. Bei einer Währungsabwertung von 10% p.a. würde selbst bei einem Umsatzwachstum von 15% p.a. der Umsatzzuwachs innerhalb von 10 Jahren gerade einmal bei 55% liegen; ohne Währungsabwertung liegt der Umsatzzuwachs bei mehr als 300%.

Kursziel bis zur Stabilisierung der Währungen ausgesetzt

Übertragen auf die GFG heißt dies, dass ein KUV von 1,5 aktuell nicht angemessen ist, solange die Währungsproblematik sich so entwickelt wie aktuell. Daher ist mein Kursziel von 9€ auch erst dann wieder erreichbar, wenn man von stabilen Währungsverhältnissen ausgehen kann. In Q3 müsste man in Lateinamerika ca. 42% und in Russland um 21% wachsen, um ein Wachstum von 0% auf Euro-Basis zu kommen, in Q4 steigen diese Zahlen nochmals auf ca. 47% und 27% an. Da Global Fashion Group diese Zahlen nicht erreichen wird, erzielt man auch in den nächsten beiden Quartalen wieder negatives Umsatzwachstum auf Euro-Basis.

Durch die starke Fokussierung der Anleger auf den Euro-Umsatz ist das Potential in den nächsten Monaten erstmal begrenzt und daher habe ich die Position auch deutlich reduziert. In Aktien wie Hellofresh und Vonovia ist das Chance-Risiko-Profil aktuell einfach besser aus. Sobald die Abwertung der Währungen gestoppt ist, ist es jedoch eine Überlegung wert, den Anteil wieder zu erhöhen.

Insgesamt hat die Position Global Fashion Group im Wikifolio dennoch zu Gewinnen von ca. 70% innerhalb von 3 Monaten geführt, die Käufe erfolgten Mitte/Ende Juni zu Kursen von 2,15€ und 2,80€.

Ich freue mich über jede Bewertung, Anmerkung und Kritik:
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Dieser Beitrag hat 6 Kommentare

  1. Peter

    Das Timing des Verkaufs scheint ja goldrichtig gewesen zu sein, gratuliere!

    1. Hi Peter,

      vor 2 Wochen wäre natürlich noch besser gewesen, aber wenn ich zu dem Entschluss komme, dass die Aktie ein Verkauf ist, dann verkaufe ich selbst wenn der Kursverlauf in den letzten Tagen schlecht war. Darauf zu hoffen, dass sich die Aktie schnell wieder erholt und dann verkaufen ist meistens sinnlos. Ähnlich hatte ich dies auch damals im März bei Lufthansa gehandhabt und die hätten sich bis heute nicht erholt.

      VG Basti

  2. Heiner

    M. E. übersiehst Du bei Deiner Rechnung die Wirkung der (Verbraucherpreis-)Inflation. Mittel- und langfristig fängt die Inflation den Effekt der Währungsabwertung auf den Umsatz auf. Natürlich unter der Annahme, dass alle anderen Faktoren (insbes. reales BIP) unverändert bleiben. Wenn man die Inflation nicht berücksichtigt, würde ansonsten langfristig z. B. ein (original) Polohemd von Boss/Lacoste usw. in Brasilien für umgerechnet 1,00 Euro zu bekommen sein, während man in Euroland dafür 80 Euro berappen darf. Beste Grüße

    1. Hi Heiner,

      wenn es eine sehr hohe Inflationsrate in Brasilien/Russland gäbe, dann würde ich dir zustimmen. Für beide Länder bewegt sich die Inflationsrate aktuell jedoch gerade mal im Bereich von 2%-4%, also deutlich niedriger, als der Effekt der Währungsabwertung. Natürlich ist das auch ein Faktor, den man berücksichtigen sollte, aber selbst wenn man die Inflation berücksichtig ist die Währungsabwertung in den nächsten Quartalen bei über 40% (Brasilien) bzw. über 20% (Russland)

      VG Basti

  3. Heiner

    Hi Basti,
    man muss die kurz- von der mittel- und langfristigen Betrachtung trennen. Natürlich liegst Du richtig, dass die aktuelle (kurzfristige) Inflation in Brasilien/Russland die Währungsabwertung (noch) nicht widerspiegelt. Aufgrund von Vertragslaufzeiten auf Waren- und Arbeitsmärkten ist die Inflation nachlaufend zur Währungskursentwicklung. Das ist theoretisch & empirisch ausreichend erforscht & belegt.
    BG Heiner

    1. Hallo Heiner,

      ich gehe auch davon aus, dass die Inflationsraten in den beiden Ländern mittelfristig anziehen könnten und die Währungsverluste somit zumindest teilweise egalisieren. Allerdings gehe ich nicht davon aus, dass der durchschnittliche GFG-Anleger dies bei der Beurteilung der kommenden Q3-Zahlen berücksichtigt, sondern sich wieder auf den Euro-Umsatz konzentriert.
      Ich hatte ja bereits geschrieben, dass mein Verkauf nicht an einem schlechten Geschäftsmodell, sondern kurzfristigen „Problemen“ wie der Währungsentwicklung liegt. Falls die Inflation in nächster Zeit stark anziehen sollte oder die Währungsentwicklung sich umkehrt, dann würde ich meinen Anteil im Wikifolio auch wieder erhöhen.

      VG Basti

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