Global Fashion Group: Zahlen enttäuschen auf den ersten Blick, überzeugen auf den zweiten Blick

Heute wurden die endgültigen Zahlen der Global Fashion Group (GFG) veröffentlicht. Diese haben viele Marktteilnehmer enttäuscht, die Aktie verlor deutlich an Wert. Allerdings ist dies bei GFG nichts Ungewöhnliches, die Aktie ist seit Monaten sehr volatil und verzeichnet öfter mal Sprünge von mehr als 10% nach oben und unten.

Grund Nr. 1: Währungseffekte

Die Gründe für die Enttäuschung mancher Anleger lassen sich auch schnell ausfindig machen. Der Umsatz ging in Q2 zurück – von 342 Mio. in 2019 auf 336 Mio. in 2020. Allerdings liegt dies nicht an schlecht laufenden Geschäften, sondern fast ausschließlich an Währungseffekten. Gerade der brasilianische Real und der russische Rubel haben deutlich an Wert verloren, was die Umsätze auf Euro-Basis negativ beeinflusst.

Da jedoch auch die Kosten größtenteils in der Landeswährung anfallen, macht sich dies im Gewinn nur sehr gering bemerkbar. Die zukünftige Entwicklung der Währungen ist nur sehr schwer vorherzusagen, allerdings könnte sich der Trend bei einem baldigen Ende der Corona-Krise auch wieder umkehren, sodass dann sprungartig höhere Umsätze vermeldet werden. Um die tatsächliche Geschäftsentwicklung zu beurteilen ist es sinnvoller sich das um Währungseffekte bereinigte Umsatzwachstum in Höhe von 8,6% anzuschauen.

Grund Nr. 2: Marktplatz-Geschäft

Doch selbst 8,6% klingt auf den ersten Blick nicht besonders viel. Aber auch dieses Wachstum sagt nur einen Teil über die Geschäftsentwicklung aus. GFG baut das Geschäftsmodell vor allem im Bereich Marktplatz aus. Im Gegensatz zum An- und Weiterverkauf im Retailgeschäft, wird beim Marktplatzmodell die Plattform für Hersteller (Adidas, Nike, Zara, …) zur Verfügung gestellt, sodass diese die Verkäufe (und teilweise den Versand) über GFG abwickeln können. Dieses Geschäft ist dem von Zalando und Amazon (3rd-party-seller) sehr ähnlich.

Allerdings zählt bei diesem Geschäft nicht der gesamte Warenkorb als Umsatz (wie im Retail-Geschäft), sondern nur die Provision, die GFG von den Herstellern erhält. Daher ist der Umsatz geringer als der Nettoverkaufswert (NMV). Dennoch ist die Umstellung richtig, da die Marge im Marktplatzgeschäft deutlich höher liegt und somit die Profitabilität steigt. Daher ist es hier sinnvoller auf die Entwicklung des NMVs zu schauen, da dieser auch das profitablere Marktplatz-Geschäft abbildet. Das um Währungseffekte bereinigte NMV-Wachstum betrug in Q2 22,8%.

zukünftige Aussichten

Von der Kostenstruktur (Bruttomarge, Fulfillment, Marketing) ist die Global Fashion Group aktuell ähnlich profitabel wie Zalando, mit Ausnahme der administrativen Kosten. Diese machen aktuell noch einen deutlich höheren Anteil am Umsatz aus, sollten jedoch mit steigender Skalierung in den nächsten Jahren weiter zurückgehen. Dennoch wird GFG aktuell noch mit einem cash-bereinigten KUV von 0,75 bewertet, Zalando mit 2,3. Selbst wenn man aufgrund der Risiken in den Schwellenländern einen Bewertungsabschlag vornimmt und GFG nur ein KUV von 1,5 als fairen Wert zutraut, dann ergibt sich dennoch ein Kursziel von 9€.

Die Umstellung auf das Marktplatzgeschäft (MP) sowie Skaleneffekte erhöhen die Profitabilität.

Auch in Zukunft werde ich vor allem auf das NMV-Wachstum und die Profitabilität achten, denn diese werden langfristig entscheidend für den Wert des Unternehmens sein. Der starke Rückgang heute ist wohl vor allem aufgrund von kurzfristigen Spekulanten entstanden, die nach dem starken Anstieg der Aktie investiert haben und jetzt in Folge der auf den ersten Blick enttäuschenden Zahlen wieder ausgestiegen sind. Die Aktie liegt selbst auf Monatssicht weiterhin im Plus und hat seit der Aufnahme ins Wikifolio 112% an Wert gewonnen. Daher ist auch mit einem solchen Rückgang – auch wenn er schmerzhaft ist – immer zu rechnen, gerade bei Aktien, die für viele Anleger schwer zu durchblicken und noch schwerer zu bewerten sind.

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Dieser Beitrag hat 21 Kommentare

  1. Maertle22

    Habe den Kursrückgang heute zum Nachkaufen meiner Position genutzt. Das Wachstum von GFG ist weiterhin vorhanden und die Zukunftsaussichten intakt.
    Wichtiger weiterer Kennwert für mich ist auch dass GFG schneller wächst als der Markt, d.h. Marktanteile gewinnt.

  2. Thomas

    Hallo,

    kurze Einsteigerfrage: Warum ist der Nachkauf seit 12:22 Uhr nicht mehr möglich bei diesem Wikifolio?

    Gruß

    1. Bastian Brach

      Moin Thomas,

      Lang und Schwarz stellt seit 12:22 Uhr leider keinen Preis mehr für Delivery Hero (und betrifft somit alle Wikifolios, die Delivery Hero enthalten), daher kann das Wikifolio aktuell nicht gehandelt werden. Dies sollte jedoch relativ zügig wieder behoben werden.

      Edit: Das Problem wurde behoben und das Wikifolio ist jetzt wieder handelbar.

      VG Basti

      1. Thomas

        Hi Basti,

        danke für die Aufklärung. Das mit Delivery Hero ist mir tatsächlich gestern gar nicht aufgefallen.

        Wie stehst du denn zu dem aktuellen Nachlass von Global Fashion Group heute? Bleibst du dennoch bei den o.g. Prognosen oder kommt für dich eventuell eine Umschichtung in Frage?

        Gruß

        Thomas

        1. Bastian Brach

          Moin Thomas,

          ich werde im nächsten Wochenrückblick nochmal ausführlich auf die Global Fashion Group eingehen, aber hier schon einmal die Kurzfassung: Mit dem Geschäft von GFG ist weiterhin alles in Ordnung. Es handelt sich ja nicht um einen operativen Umsatzeinbruch, sondern um einen währungsbedingten. Ich habe (und da muss ich Fehler eingestehen) unterschätzt, wie vor allem Privatanleger (Global Fashion Group wird vor allem von diesen gehandelt, da große Fonds und Investoren Aktien, die noch nicht im SDAX vertreten sind oftmals nicht handeln dürfen) auf den Umsatzrückgang in Euro-Basis reagieren werden.
          Man sollte jedoch auch beachten, wie stark GFG vorher gelaufen ist: Selbst nach dem aktuellen Kursabsturz ist die Aktie auf 3-Monatssicht weiterhin mehr als 100% im Plus.

          Wären mehr „professionelle Anleger“ bei GFG an Board gewesen, dann wäre es sicherlich nicht zu diesem Absturz gekommen. Als Vergleich passt hier sicher der südämerikanische E-Commerce-Anbieter Mercadolibre . Auch hier war das Umsatzwachstum in US-Dollar mit 61% deutlich unter dem währungsbereinigten Wachstum (123%). Allerdings gab es hier keinen Kursabsturz, weil „professionelle Anleger“ eher auf das operative, währungsbereinigte Geschäft schauen.

          Insgesamt bin ich mit der aktuellen Positionsgröße jedoch zufrieden, versuche in Zukunft vor den Zahlen jedoch stärker darauf zu achten, wie Privatanleger wohl reagieren könnten, um solche Abstürze zukünftig nicht mehr mitzunehmen. Kurzfristig ist das Momentum der letzten Monate sicher zerstört worden, aber langfristig ist die Bewertung auf dem Niveau einfach zu attraktiv, um darauf zu spekulieren, dass man die Aktie in 2 Wochen nochmal 10% günstiger bekommt.

          VG Basti

          1. Thomas

            Hallo Sebastian,

            wäre Mercadolibre dann nicht eine Option, um den möglichen Verfall bei GFG abzufangen, wenn beide auf dem gleichen Gebiet arbeiten? Lässt sich dies nicht mit in das Portfolio aufnehmen?

            Gruß

          2. Bastian Brach

            Moin Thomas,

            MercadoLibre ist ja ebenfalls vom Währungsverfall betroffen, nur sind die Anleger hier rationaler als bei GFG. Also sichert man hierbei nicht wirklich etwas ab.

            VG Basti

          3. Thomas

            Ansonsten großes Lob für die detaillierten Erläuterungen hier!

          4. Fabi

            Ja, dumm nur, wenn man vor ein paar Tagen Value- + Bollinger-Analyse (GER) ins Portfolio aufgenommen hat. Ist nun aktuell bei mir über 14 % im Minus. Man sollte wohl auch bei Wikifolios über Stop Loss nachdenken. Naja, dafür sind ja andere Titel deutlich besser gelaufen. Ich hoffe nun, dass es bald wieder aufwärts geht.

  3. Fabrice

    Hallo,
    mein Kommentar bezieht sich mehr auf Ihr Bollinger-Band Portfolio. Ich bin zwar kein Experte aber es würde mich wundern, wenn Global Fashion nicht den oberen Rand des Bands gerührt hätte – wieso haben Sie nicht verkauft, um jetzt billiger zurückzukaufen? Das war doch das Ziel des Portfolios. Jetzt ist die Aktie bestimmt überkauft – nachkaufen!
    Viele Grüße

    1. Bastian Brach

      Moin Fabrice,
      in dem Wikifolio ist meine Strategie ebenfalls langfristig attraktive Werte zu suchen und dann für den kurzfristigen Ein- und Ausstieg die Bollinger Bänder zu Hilfe zu nehmen. In diesem Fall aber war vor den Quartalszahlen kein Ausstieg geplant. Ich habe die Positionsgröße heute morgen etwas reduziert, weil sich das Augenmerk der Anleger in den nächsten Monaten wohl weiterhin auf den Euro-Umsatz richtet, und das „Problem“ der schwachen Währungen sich noch 2-3 Quartale ziehen wird. Daher war mir 30% Gewichtung zu hoch.

      Hätte ich rein nach den Bollinger Bändern agiert hätte ich übrigens auch schon am 15.05. bei 2,06€, am 02.07. bei 3,27€ und am 20.07. bei 3,90€ verkaufen müssen.

      VG Basti

      1. Anonymous

        Danke für die Antwort. VG

  4. Peter

    Danke für die ausführliche Analyse. Die Begründung für den Rücksetzer ist nachvollziehbar. Ich habe mir die Aktie nun auch in mein langfristig angelegtes Portfolio geholt.
    Warum ist das Wikifolio eigentlich nicht in Österreich handelbar?

    1. Bastian Brach

      Moin Peter,

      die Entscheidung darüber liegt bei wikifolio selbst. Ich kann da leider nichts tun. Falls du aus Österreich kommst und investieren willst, dann kannst du ja mal bei wikifolio anfragen, wann der Kauf auch in Österreich möglich sein wird.

      VG Basti

  5. Dieter

    Du legst ja bisher bei deinen Analysen sehr viel Wert auf gewisse Daten. Ich habe mir mal die Similarweb und die Google Trends Daten für die einzelnen Töchter von GFG in den jeweiligen Ländern angeschaut. Da sieht es seit Juli in den meisten Ländern relativ schlecht aus, und man ist bei Google Trends oft sogar unter das Interesse des Vorjahres gerutscht. Dies müsste dich doch zumindest zum Nachdenken über einen Ausstieg gebracht haben, da die Umsätze, besser gesagt das NMV, in Q3 damit eigentlich nicht sonderlich wachsen dürften.
    Dazu habe ich zwei Fragen:
    Spielen die schlechten Daten für dich aktuell keine gewichtige Rolle mehr bei der Analyse der GFG? Bzw wie erklärst du dir die Rückgänge?

    Beste Grüße Dieter

    1. Bastian Brach

      Moin Dieter,

      also die Daten beunruhigen mich nicht. Vor allem die wichtigsten Shops (Lamoda in Russland, Dafiti in Brasilien/Argentinien) bleiben bei SimilarWeb weiterhin auf hohem Niveau. GoogleTrends ist eher für die Neukundenzahlen interessant, die natürlich etwas zurückgehen wird nach den extrem hohen Raten zu Beginn der Pandemie. Zudem muss man bedenken, dass durch die steigende App-Nutzung die GoogleTrends-Daten keine proportionalen Rückschlüsse auf das Nutzerwachstum zulassen. In Q1 betrug das Nutzerwachstum bsp. in Südamerika 16,4%, obwohl die GoogleTrends-Daten um knapp 10% gesunken sind.

      Natürlich werde ich die Zahlen weiter genau beobachten, aber aktuell ist alles noch im Rahmen meiner Erwartungen. Man muss auch bedenken, dass in den Schwellenländern die Kaufkraft durch fehlenden soziale Sicherungen (Kurzarbeit, Arbeitslosenchecks, …) deutlich stärker zurückgegangen ist als in Europa und den USA. Hier wird es nach dem Ende der Pandemie und einem Rückgang der Arbeitslosigkeit zu starken Nachholfeffekten für „Luxus“-Kategorien (was Mode und Fashion in diesen Ländern oftmals noch ist) kommen.

      VG Basti

      1. Dieter

        Weshalb verkaufst du dann die ganze Woche schon, wenn du so positiv gestimmt bist?

        Gruß Dieter

        1. Bastian Brach

          Moin Dieter,

          ich hab mich dazu entschieden, den Anteil von GFG etwas zu reduzieren, obwohl das operative Geschäft weiter gut läuft. Dennoch kann ich nicht ignorieren, dass der Kapitalmarkt seinen Fokus auf das Euro-Umsatzwachstum richtet und anhand dessen die Wachstumschancen analysiert. Durch die Entwicklung der Wechselkurse wird es Stand jetzt bis Q1 2021 kein Wachstum auf Euro-Basis geben. Daher reduziere ich die Position aktuell erst einmal und beobachte die Entwicklung der Währungskurse solange, bis diese sich stabiliseren.
          Das operative Geschäft ist weiterhin sehr interessant, aber trotzdem muss man als Anleger im Euro-Raum die Währungsentwicklung berücksichtigen.

          Generell reduziere/erhöhe ich Positionen im Wikifolio bevor ich mich dazu hier im Blog bzw. in den Wikifolio-Kommentaren dazu äußere, sodass es nicht vorher bereits zu für mich bzw. die Anleger im Wikifolio ungünstigen Kursbewegungen kommt. Ein entsprechender Artikel wird noch in der kommenden Woche erscheinen.

          VG Basti

  6. Christian

    Hallo Basti,

    wie nicht anders gewohnt von dir sehr gut analysiert. Es kann einfach nicht jede Woche ein Plus vorhanden sein. Langfristig wird es passen und das ist das Wichtigste. Aber auf deine Abalysen ist einfach Verlass!

    Danke und weiterhin viel Erfolg! P. S. Könntest du mir ein gutes Nuch für die Fundamentalanalyse empfehlen?

    LG

    1. Bastian Brach

      Moin Christian,

      es freut mich, dass du meine Analysen hilfreich findest und auch verstehest, dass Aktien als langfristiges Investmentvehikel gesehen werden sollten.

      Also ich hab tatsächlich nur sehr wenig Wissen aus Büchern gezogen. Mir hat es immer geholfen mir die Geschäftsberichte/Präsentationen und die Begründung der Unternehmen für die Entwicklung der einzelnenen Kostenfaktoren anzuschauen. Bei E-Commerce-Unternehmen sind dies meist die Produktkosten, Lieferkosten, Marketing und G&A; bei diesen kannst du dir dann überlegen, wie sich die Kostenquoten mit steigender Skalierung entwickeln werden.
      Je mehr man liest, desto mehr versteht man diese.

      VG Basti

  7. Christian

    …super, vielen Dank für die Tipps!

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