Delivery Hero: Q3-Zahlen

Die heute veröffentlichten Q3-Zahlen von Delivery Hero sind solide ausgefallen mit etwas schwächerem Wachstum als von mir erwartet, jedoch auch einer geringeren Verlusterwartung. Dadurch setzt sich der Trend in der Food-Delivery-Branche fort, wo nahezu alle Unternehmen ein geringeres Wachstum bei verbesserter Profitabilität berichten.

Negative Entwicklungen

Das GMV-Wachstum in Q3 lag bei 8% in konstanter Währung und damit deutlich unter dem mittelfristig angepeilten Schnitt (ca. 20% p.a.). Dies liegt zum einen an dem etwas schwächeren Makro-Umfeld, zum anderen jedoch auch an Sonderfaktoren wie starken Vergleichszahlen (Q3 2021 war in Asien von Corona geprägt). Bis Q1 2023 werden die Corona-bedingt hohen Basiswerte noch negativ auf dem Wachstum lasten, aber ab Q2 2023 sollte man jedoch wieder das „normale“ Wachstum erkennen können. Dieses sollte bei rund 15-20% liegen.

In den kommenden Quartalen wird sich Delivery Hero wohl auch um den Verkauf von Geschäftsteilen bemühen, für welche die Aussichten mittelfristig weniger gut aussehen. Dies betrifft vor allem Thailand, Singapur, Türkei, Peru. Diese verbrennen aktuell viel Geld, ohne dass es positive Aussichten auf langfristige Marktführerschaft und hohe Margen gibt. Daher wird hier aktuell an einer Lösung gearbeitet.

Neben dem operativen Geschäft beschäftigt viele Anleger aktuell noch die Altlasten aus vergangenen Rechtsstreitigkeiten, die sich wohl noch einige Zeit ziehen und vor allem Glovo betreffen. Hier erwarte ich insgesamt Nachzahlungen von rund 200 Mio. € (Sozialbeiträge, Strafen), die wohl in den nächsten Jahren auf Delivery Hero zukommen werden.

Positive Entwicklungen

Die Profitabilität entwickelt sich in allen Bereichen aktuell positiv, sodass die AEBITDA-Marge von -3,2% in Q4 21 auf ca. -0,5% in Q4 22 gesteigert werden konnte. Ab 2023 will Delivery Hero dann endgültig die operative Profitabilität erreichen und die Marge weiter ausbauen (>1% in H2 23). Dies deckt sich sehr gut mit meiner vor fast einem Jahr getroffenen Prognose (siehe Artikel). In 2024 könnte die Marge dann bereits 2% erreichen, was rund 1 Mrd. € operativen Gewinn und 600 Mio. € Free Cashflow bedeuten würde. Diese Kennziffern sollten zudem in Zukunft weiter deutlich gesteigert werden, bis das Unternehmen sein langfristiges Ziel von 5-8% Marge erreicht hat.

Bei den Segmenten stachen vor allem MENA und Lateinamerika positiv hervor. Lateinamerika ist ein sehr gutes Beispiel dafür, wie Delivery Hero die Profitabilität weiter steigern will. Denn aktuell ist das Segment noch sehr unprofitabel (-6,5% Marge), da es sich in vielen Ländern noch sehr am Anfang der Entwicklung befindet. Durch hohes GMV-Wachstum (+44% in Q3 22) verstärkt man seine Marktposition, die ohnehin durch wenig Konkurrenz in den meisten Ländern geprägt ist. Auch die Deckungsbeitragsmarge pro Bestellung ist bereits auf dem Niveau von profitablen Segmenten (MENA/Asien), sodass die Profitabilität vor allem durch weitere Skalierung und dadurch relativ gesehen sinkende operative Kosten (Marketing, Overhead) zustande kommt.

Fazit

Im Grunde genommen bleibt das Fazit im Vergleich zu den letzten Quartalen unverändert. Die Deckungsbeitragsmarge entwickelt sich weiterhin positiv und DH gewinnt in seinen wichtigen Ländern Marktanteile. Einige schwierige Länder verbleiben, für diese muss das Management in nächster Zeit eine Entscheidung treffen. Mit rund 15-20% GMV-Wachstum in den kommenden Jahren sowie einer langfristigen Profitabilität von rund 5% des GMVs bleibt DH weiterhin unterbewertet.

Im nächsten Jahr wird man erstmals operativ profitabel sein und in H2 auch zum ersten Mal einen positiven Cashflow erreichen. Danach wird es darauf ankommen Profitabilität und Wachstum auszubalancieren, um die mittel- und langfristigen Ziele zu erreichen.

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Dieser Beitrag hat 7 Kommentare

  1. Nico

    Hi Basti, erstmal sorry, dass ich hier wg. H24 nachfrage:
    Lässt sich für dich aus den Q3 Zahlen von H24 eine zwingende „Hilfe“ seitens XXXLutz erkennen?

    Lieben Dank

    1. Bastian Brach

      Moin Nico,

      was meinst du mit zwingender Hilfe?
      Aktuell sind die Zahlen noch ohne jeden Einfluss von XXLutz.

      Allerdings sieht es wohl so aus, als ob die Übernahme durch geht, sodass hier als Anleger wenig zu machen ist, außer die 7,50€ anzunehmen (wenn man nicht lange auf die Komplettübernahme mit evtl. höherem Preis warten will).

      VG Basti

  2. Anonymous

    Ok danke für deine Einschätzung, damit meinte ich, ob die Q3 Zahlen für dich so aussehen, als ob sie den Weg alleine nicht packen hätten können? CashBestand ist ja relativ stabil geblieben. Unabhängig davon, wie das den weiteren Kurs beeinflussen wird.

    1. Bastian Brach

      Achso, dann hatte ich dich falsch verstanden.

      Die Zahlen sind besser als ich gedacht hätte. Im Onlinebereich (ohne Butlers) nur eine Verschlechterung der Umsätze im einstelligen Bereich – trotz der negativen Wirtschaftslage. Zudem ist Home24 auf operativer Ebene sogar profitabel und dürfte damit auch im Gesamtjahr profitabel sein, dazu steigt die Bruttomarge wieder an.
      Insgesamt wäre die Lage zwar weiterhin nicht rosig gewesen, allerdings hätte Home24 bei verbesserter Wirtschaftslage sicherlich wieder zu gutem Wachstum und Profitabilität zurückgefunden.

      VG Basti

  3. Christian

    Hallo Basti,

    wie bewerstest du die mögliche komplette Übernahme von Gorillas durch Delivery Hero?

    Gründerszene hatte vorgestern berichtet.

    1. Moin Christian,

      ich weiß nicht wie sehr man auf die dargestellten Informationen vertrauen kann (vor allem ob das Angebot noch gültig ist).
      Allerdings sehe ich es sehr kritisch, dass überhaupt ein Angebot abgegeben wurde und man sich damit wieder weiter weg begeben würde von der Profitabilität. Ich hoffe also sehr, dass der Deal Getir-Gorillas durchgeht. Die Abschreibung auf die Gorillas-Beteiligung wäre hier die deutlich bessere Option.

      Viele Grüße
      Basti

      1. Noch ein Nachtrag hierzu:

        Laut DS-Insider-Podcast stimmt die Information, dass DH Gorillas komplett übernehmen wollte wohl nicht. Es war wohl die Überlegung, dass DH zusammen mit anderen Investoren sich weiterhin an möglichen Kapitalrunden beteiligen würden, was aus meiner Sicht ebenfalls nicht wirklich sinnvoll wäre, aber bei weitem nicht in dem Ausmaß wie eine Komplettübernahme.

        VG Basti

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