Delivery Hero: Q1 2022 Zahlen

Am selben Tag wie Hellofresh hat auch Delivery Hero die Q1-Zahlen berichtet. Auch diese bestätigten mich in meinen grundsätzlichen Annahmen und stimmen positiv auf die nächsten Jahre. Das Wachstum des Außenumsatzes (GMV) betrug 31% gegenüber dem starken Vorjahresquartal, der Umsatz ist um 52% gestiegen. Hervorzuheben ist hierbei, dass das Wachstum im März – nach Beginn des Russland-Ukraine-Kriegs und den Inflationssorgen – sogar noch zugenommen hat. Es zeigt sich demnach bisher, dass Essensbestellungen auch in Krisenzeiten auf hohem Niveau blieben.

Neben dem Umsatz ist gerade in der aktuellen Zeit vor allem die Marge entscheidend. Auch hier macht Delivery Hero Fortschritte und erzielt mittlerweile in allen Ländern ex. Korea eine Deckungsbeitragsmarge von rund 4% bei der Eigenauslieferung. Langfristiges Ziel ist es diese auf 8,5% zu steigern, hier sehe ich Delivery Hero auf einem guten Weg, der jedoch weiter beobachtet werden muss.

Zusätzlich wird Delivery Hero immer stärker im Werbegeschäft tätig, was aufgrund der hohen Margen besonders attraktiv ist. Bei diesem können Restaurants und Geschäfte wie bei Google und Amazon ihr eigenes Angebot gegen eine Gebühr bewerben; dies machte in 2021 rund 1,7% des GMV aus (ex. Korea – wo das Werbegeschäft noch nicht eingeführt wurde) und soll langfristig auf 3-5% des GMVs (inkl. Korea) steigen. Ich gehe langfristig etwas vorsichtiger von 3% des GMVs als Umsatz im Werbegeschäft aus, der fast vollständig in den Gewinn fließt.

Weiteres Thema im Analysten-Call war der Roll-Out des Subscription-Programms. Bei diesem erhalten Kunden gegen eine monatliche Gebühr Gutscheine für Restaurants und Lebensmitteleinkäufe, was dazu führt, dass Delivery Hero die Kunden stärker an sich bindet, sodass diese deutlich mehr Orders tätigen und diese Orders zudem einen höheren Orderwert haben. Nach dem Roll-Out in Südostasien, wo man bereits über 1 Mio. Kunden dafür begeistern konnte, soll das Programm nach und nach in weiteren Regionen ausgerollt werden.

Auf der nächsten Folie zeigt Delivery Hero wie die langfristige Margenstruktur aussehen könnte. Ich rechne mit einer Deckungsbeitragsmarge nach Vouchers von 8,5% des GMV und zusätzlich 3% Werbeumsätzen abzüglich 2,5% Marketingkosten und 3% G&A, Tech und sonstiges. Dadurch könnten langfristig Margen von 6% des GMVs möglich sein. Besondere Beobachtung sollte man hierbei den Deckungsbeitragsmargen schenken, denn hier besteht aktuell noch die höchste Differenz zur Zielmarge und die meisten Unsicherheiten.

Natürlich ist Delivery Hero aktuell noch einige Jahre von den langfristigen Zielen entfernt. Man sieht aber bereits heute, dass der Food-Delivery-Marktführer in Märkten, die sich stabilisiert haben (d.h. wo die Marktanteile relativ fest sind und keine großen Kämpfe um Neukunden stattfinden), dass dies durchaus möglich ist. Uber Eats erreicht rund 6% Marge vor Allgemeinkosten nach zweistelligem Minus in 2019, Delivery Hero erreicht in den größten MENA-Ländern bereits 3,6% Marge im Food-Delivery-Geschäft. Zudem hat Delivery Hero den Vorteil, dass man in nahezu allen Ländern der Marktführer ist, in vielen davon Marktanteile von 80% oder mehr verzeichnet – inkl. Korea, dem mit Abstand wichtigsten Land.

Wichtig für die nächsten Quartale werden dieselben Dinge, die auch in der Vergangenheit entscheidend waren: Umsatz/GMV-Wachstum und Deckungsbeitragsmarge. Zudem sollte man ein Auge auf die Marktanteilsentwicklung in den wichtigsten Märkten und die Integration von Glovo werfen. Die aktuell niedrigen Kurse aller Food-Delivery-Unternehmen könnten den Weg zur Profitabilität sogar noch beschleunigen, ab 2023 will Delivery Hero ein positives operatives Ergebnis im Konzern erreichen. In 2024 rechne ich dann bereits mit hohen dreistelligen Millionengewinnen.

Sollte sich der Aktienkurs in den nächsten Monaten jedoch nicht deutlich erholen, wird Delivery Hero wohl aus dem DAX fliegen und dann erst 2025/26 die Möglichkeit haben zurückzukehren, da die neuen Aufnahmeregeln dies nicht vorher zulassen. Dies sollte die Aktie jedoch nicht davon abhalten schon mittelfristig (in 3-4 Jahren) deutlich über dem aktuellen Niveau zu notieren. Ich gehe davon aus, dass Delivery Hero in 2025 ein GMV von rund 90 Mrd. € und eine operative Marge von ca. 2% erreichen wird; dies würde einen operativen Gewinn von 1,8 Mrd. € bedeuten, der in den Folgejahren weiter zweistellig wachsen wird. Unabhängig vom Marktumfeld wird die Bewertung dann nicht nur deutlich über der aktuellen (8 Mrd. €) liegen, solange das Unternehmen weiter so gut arbeitet wie bisher und die Ziele erreicht. Auch die bisherigen Allzeithochs sollten dann wieder übertroffen werden.

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Dieser Beitrag hat 12 Kommentare

  1. Christian

    Bist Du Dir sicher hier nicht völlig falsche Rückschlüsse zu ziehen und den Aussagen des Managements zu sehr zu vertrauen? Ich meine die haben seit dem IPO noch nie Wort gehalten ganz im Gegensatz zu Hellofresh. Dort gibt es zwar den gleichen Kursverfall aber bei Hellofresh kann man wenigstens dem Management vertrauen.
    Schade das dein wikifolio nicht abgesichert war und so stark runter gekommen ist. Dauert jetzt wohl zig Jahre bis man wieder da ist wo man Anfang 2021 schon längst war.

    1. Moin Christian,

      welche Falschaussagen des Managements meinst du denn? Seit dem IPO gab es einen Strategiewechsel, bei dem stark in den Aufbau von eigener Auslieferung investiert wurde und der sich ausgezahlt hat, wenn man sieht wie stark Konkurrent Just Eat Takeaway operativ zu kämpfen hat und ständig Marktanteile verliert. Abgesehen davon sehe ich keine Aktion oder Entwicklung bei der Wort gebrochen wurde. Es ist eher so, dass Delivery Hero seit jeher Entwicklungen frühzeitig erkennt (Eigenauslieferung, Quick Commerce) und sich mittlerweile auf einem klaren Weg hin zur Profitabilität bewegt; zudem hat man mehr als ausreichend Cash-Reserven. Diese könnte sogar schon deutlich früher kommen, wenn die aktuelle Marktschwäche im Sektor anhält.

      Aktuell sind nahezu keine Liquidität und keinerlei Käufer im Markt für unprofitable Wachstumsaktien, daher die extremen Ausschläge. Ich bin mir aber sicher, dass sich die Märkte auch wieder an den Unternehmensdaten orienteren werden und wir dann eine starke Erholung sehen (unter der Voraussetzung dass die Unternehmen weiter gut wirtschaften) – auch wenn der Zeitpunkt völlig unklar ist.

      Mit Absicherungen ist es immer so eine Sache, natürlich wäre es mir jetzt auch lieber ich hätte Anfang 2021 alle Aktien verkauft und könnte jetzt billig in die Unternehmen neueinsteigen. Nur ist dies im Nachhinein immer klar. Es gibt auch Fonds die jedes Risiko am Markt absichern wie beispielsweise den Dirk Müller Premium Aktien Fonds, der aber dadurch eben auch keinerlei Chance auf Gewinne hat, denn die Märkte zu timen (bzw. immer dann abzusichern bevor es runter geht) ist nazu unmöglich. Trotzdem ist es natürlich nicht schön mit anzusehen wenn sich der Depotstand deutlich verringert, da geht es mir nicht anders als allen Anlegern.

      VG Basti

  2. Markus

    Hallo Basti,

    wie siehst du den Ausblick von Upstart? Hast du vor nach dem Kurssturz aufzustocken oder ist das Unternehmen nach den schlechten Aussichenten für dich eher kein Kauf mehr?

    1. Bastian Brach

      Moin Markus,

      das Unternehmen hat zwar die Q1-Zahlen übertroffen, aber den Ausblick deutlich reduziert.
      Ich muss mir den Investoren-Call heute anhören, um dann zu entscheiden wie ich mit der Position weiter vorgehe. Es war erstmal nur eine Beobachtungsposition <1%, da ich das Unternehmen zwar spannend fand, aber noch deutlich weniger Wissen und Erfahrung in diesem Geschäftsbereich aufgebaut hatte als dies in anderen Branchen der Fall ist. Daher denke ich eher nicht drüber nach die Position aufzustocken. Ob sie ganz rausfliegt oder weiter als Beobachtungsposition bleibt entscheide ich in den kommenden Tagen nachdem ich die Zahlen genau angeschaut habe.

      Edit: Wichtigste Frage wird sein, inwiefern sich die zukünftig steigenden Ausfallraten und die erhöhten Zinssätze auf das Geschäft auswirken. Die Kreditnachfrage wird zurückgehen und die Ausfallraten werden auf die Margen belasten. Dies ist (wie bei Banken auch) jedoch schlicht Teil des Geschäftsmodells. Nur ist es wichtig für das Unternehmen, dass dies noch im Rahmen des Vertretbaren ist und es zu keinen drastischen und unerwarteten Ausfällen kommt.

      Ich denke weiterhin, dass das Geschäftsmodell an sich seine Daseinsberechtigung hat und zukünftig an Bedeutung gewinnen wird. Dennoch werde ich vermutlich nicht nachkaufen, da ich erstmal die Auswirkungen der aktuellen Lage einschätzen möchte, die aktuell noch recht schwer zu beziffern sind.

      VG Basti

  3. Marco

    Hi Bastian, habe gelesen, dass sich JET aus Rumänien zurückzieht wegen Konkurrenzdruck. Spielt das DH positiv rein? Oder nicht wirklich relevant? Danke.

    1. Bastian Brach

      Moin Marco,

      je weniger Konkurrenz desto besser (mehr Umsatz, höhere Margen). Rumänien ist eines der Top 5 Länder von Glovo nach Umsatz, der Anteil dürfte bei rund 8-10% liegen. Ist in Bezug auf DH insgesamt also weniger als 1%, aber es zeigt auch weiterhin, dass sich der Markt rationalisiert. Und für die Geschäfte in Rumänien natürlich sehr positiv, genauso wie der Rückzug von JET aus Portugal und Norwegen, Uber Eats aus Hong Kong, Deliveroo aus Spanien in den letzten Monaten.

      VG Basti

  4. Marianne

    Basti ist weiter voll auf Kurs auf die 100 EUR. LOL! :-))) Ich freu mich schon, wenn er das Wiki irgendwann liquidieren muss.

    1. Toni

      Ich verstehe deinen Charakter nicht, traurig traurig.
      Kritik und Dissens ist ja ok, aber warum so gemein. Du tust mir leid.

    2. David

      Menschlich echt armesilg, dass man anderen sowas wünscht und sich noch daran erfreut. Traurig

  5. Marcus

    Hallo Bastian,

    aktuell sind das nicht einfache Zeiten. Ich denke du wirst daraus sehr stark lernen (hoffentlich) und ein besserer Investor werden. Nach jedem Tief kommt auch wieder ein Hoch 🙂 Das einige hier schadenfroh kommentieren finde ich total peinlich, ich hoffe du nimmst es nicht zu sehr persönlich.
    Beste Grüße

    Marcus

    1. Bastian Brach

      Moin Marcus,

      keine Sorge, über solche Kommentare kann ich nur lachen. Ich verstehe natürlich jeden, der mit der Performance unzufrieden ist, aber regelmäßig schlechte Sachen zu wünschen (und „Marianne“ hat schon öfter kommentiert) zeugt eher von schlechtem Charakter.

      Natürlich ist es aktuell bitter, dass Tech und Wachstum durch die Bank schlecht läuft, völlig unabhängig von den Zahlen und Aussichten. Ich bin weiter davon überzeugt, dass die Unternehmen im Wikifolio sehr gut aufgestellt sind und sogar von der Krise profitieren. Während nahezu alle Unternehmen der Branche ihre Jahresziele einstreichen müssen oder schwache Q1-Zahlen berichten, haben die Schwergewichte Hellofresh, Delivery Hero, Vonovia, Uber und Tesla entweder deutlich über dem Plan liegende Q1-Zahlen berichtet oder sogar die Jahresprognose angehoben. Daher mache ich mir auch keine Sorgen, solange die Unternehmen weiter überzeugen. Nachdem sich die Panik gelegt hat werden die Anleger vermehrt wieder auf Fundamentaldaten schauen.

      VG Basti

  6. Tassilo

    Wollte hier noch anmerken, dass wie vielleicht schon von ein paar von euch bermerkt worden ist, hat JP Morgan sowie Black Rock nun einiges mehr an Delivery Hero Aktien gekauft (siehe finanzen.net)

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