Ausblick auf Q3

Hellofresh

Das 3. Quartal ist in den westlichen Ländern traditionell davon gekennzeichnet, dass viele Menschen ihre Urlaubstage nutzen, um zu verreisen. Dies führt bei Hellofresh zu traditionell schwächeren Sommermonaten, sodass Q3 umsatzseitig regelmäßig unter dem 2. Quartal liegt. Zudem erhöhen sich durch die zusätzlich benötigten Kühlakkus auch die Kosten leicht, sodass auch die Marge etwas niedriger liegt. Im Corona-Jahr 2020 war diese Saisonalität nur begrenzt zu beobachten, da Urlaub durch die Beschränkungen nicht möglich war, sodass man keinen Umsatzrückgang erleidet hat.

Durch die wegfallenden Beschränkungen dieses Jahr sowie der Tatsache, dass viele Menschen ihren Urlaub nachholen wird die Saisonalität wieder vorhanden sein und der Umsatz nach meiner Einschätzung wohl bei um die 1,45 Mrd. € liegen (Q2: 1,55 Mrd. €). Dies liegt jedoch im Rahmen der normalen Saisonalität und weit über der Analystenschätzung (1,26 Mrd. €). Die Kosten für Fulfilment, Marketing und Verwaltungskosten werden wohl leicht ansteigen, was auch durch den Aufbau mehrerer neuer Länder (Norwegen, Italien, Japan) sowie Produkten (Hellofresh Market, Green Chef UK, Factor75) zustande kommt. Dennoch wird man weiterhin deutlich positive operative Margen verzeichnen, die in Q3 wohl bei etwa 5-6% liegen wird.

Delivery Hero

Delivery Hero ist in vielen Ländern tätig, in denen Corona auch zuletzt noch eine große Rolle gespielt hat. In Südostasien und Südkorea gab es weiterhin Covid-Beschränkungen und teilweise sogar ein Verbot von geliefertem Essen (bsp. Vietnam). Vor allem die Südkorea-Tochter Woowa hat jedoch ein erstaunliches Wachstum hingelegt und im August 100 Mio. Order durchgeführt; dies entspricht im Schnitt zwei Bestellungen pro Einwohner. Positive und negative Effekte sollten zusammen zu einem Anstieg der Bestellungen auf etwas unter 800 Mio. Order führen, sodass man weiterhin auf sehr gutem Weg ist bald 1 Mrd. Order pro Quartal abzuwickeln.

Die Profitabilität ist weiterhin vom Auf- und Ausbau mehrerer Länder geprägt (Südkorea, Deutschland, Japan, Südamerika), dennoch erwarte ich im 2. Halbjahr 2022 den Break-Even im Restaurant-Geschäft. Die MENA-Region sollte weiterhin sehr profitabel sein, Südamerika ist weiter mit großen Schritten auf dem Weg dahin, während auch das Quick-Commerce-Segment trotz der schnellen Aufbaugeschwindigkeit seine Marge kontinuierlich verbessern wird. Die nächste Meldung zur Profitabilität kommt allerdings erst wieder mit den Q4-Zahlen.

Home24

Im Möbelsektor läuft es aktuell weniger rund. Die Unternehmen beklagen weiterhin Kostendruck durch erhöhte Fracht- und Rohstoffpreise, die nur teilweise an die Kunden weitergegeben werden können. Allerdings gibt es erste Anzeichen, dass sich diese Gegenwinde langsam verbessern. Für Home24 Europa erwarte ich ein Order-Wachstum im einstelligen Bereich gegenüber den starken Corona-Zahlen. Q4 und Q1 2022 werden dann sehr hohe Vergleichszahlen aufweisen, sodass hier auch negatives Order-Wachstum möglich ist. Q3 ist traditionell ein schwächeres Quartal was die Marge angeht, sodass ich auch in diesem Jahr eine etwas schwächere Marge als in Q2 (3%) erwarte.

In Brasilien ist Q3 2020 noch ein stark durch Corona beeinflusstes Quartal gewesen, hier sollten sich die Vergleichswerte jedoch bereits ab Q4 verringern, sodass sich das Orderwachstum ab dann wieder beschleunigen dürfte. Man investiert hier weiter stark und diese Investitionen (Stores, IT, etc.) sollten sich ab 2022 auszahlen, wo man wieder deutlich zweistellig wachsen sollte.

Insgesamt gibt es also einige Gegenwinde in der gesamten Branche: hohe Vergleichszahlen aus dem Vorjahr sowie erhöhte Rohstoff und Frachtpreise. Diese sollten sich jedoch in den nächsten Quartalen wieder entspannen bzw. werden die erhöhten Kosten (falls diese Bestand haben) von der Branche an den Kunden weitergegeben. Solange man seine Mittelfristziele mit ca. 20% Wachstum jährlich und stetig steigenden Margen erreicht, ist die Bewertung aktuell mit einem KUV von weniger als 0,4 deutlich zu gering.

Ich freue mich über jede Bewertung, Anmerkung und Kritik:
[Total: 9 Average: 4.8]

Dieser Beitrag hat 6 Kommentare

  1. Anonymous

    Bei dem aktuellen Home24 Kurs ist es allerdings sehr wahrscheinlich, dass das Unternehmen aus dem SDAX fliegt oder? Planst du hier wieder einen Verkauf vor den Zahlen?

    1. Bastian Brach

      Beim aktuellen Kurs wird es schwierig im SDAX zu bleiben. Allerdings hatte ich die Position ja bereits vor den letzten Zahlen auf ein zufriedenstellendes Niveau reduziert, daher plane ich aktuell keine Verkäufe.

      VG Basti

  2. Anonymous

    Hallo Basti, wie ist deine Ausblick für Westwing ? Ähnlich wie Home24 oder besser ?

    1. Bastian Brach

      Moin,

      Westwing hat teilweise dieselben Probleme wie Home24 (Fracht- und Rohstoffpreise) und sollte vom Umsatz ungefähr auf Vorjahresniveau liegen. Die Marge erwarte ich schlechter als im zweiten Quartal diesen Jahres.

      VG Basti

  3. Peter

    Hallo Basti,
    deine Margenschätzung bei HF liegt deutlich unter der Marge von Q2, sowie auch deutlich unter der von den Analysten geschätzten Marge (7,3%). Kannst du hier eventuell nochmals näher darauf eingehen warum dies so ist? Unterschätzen die Analysten die Expansionskosten insgesamt? Welche Rolle spielen gestiegene Erzeugerpreise und die labour shortage in den USA? Sind die Marketingkosten viel höher als gedacht?
    Danke dir, Gruß Peter

    1. Bastian Brach

      Moin Peter,

      gute Frage!
      Ich habe dieses mal eine sehr konservative Marge geschätzt, da es sehr schwierig ist die ganzen Wachstumsinitiativen und deren Einfluss zu quantifizieren.

      Die größten Treiber einer Margenreduktion gegenüber Q2 sollten Folgende sein:
      – G&A sollte ca. 1 PP steigen aufgrund der leicht sinkenden Umsätze sowie der Aufbau des Tech-Teams
      – Bruttomarge sollte leicht sinken, was vor allem auf Saisonalität zurückzuführen ist (geringere Absatzmengen, höhere Kühlkosten (Eispacks etc.)). Die gestiegenen Erzeugerpreise konnte HF in der Vergangenheit bereits sehr gut umgehen, hier erwarte ich nur einen minimalen Effekt
      – Fulfillmentkosten sollten den größten Einfluss haben: der vorgezogene Aufbau neuer Distributionszentren, die Expansion nach Italien und Japan sind mit Kosten verbunden, denen noch kein Umsatz entgegensteht. Diese Effekte wurden im Q2-Call bereits erläutert und sollten Mitte 2022 abklingen, wenn man die starke Expansion abgeschlossen hat.

      Labour Shortage könnte einen kleinen negativen Effekt haben (weil bsp. die Gehälter gestiegen sind), die Marketingkosten sollten sich saisonal üblich entwickeln.
      Ich lasse mich natürlich gerne positiv von der Marge überraschen. Aber selbst 5-6% operative Marge wären weiter hervorragende Zahlen bei 50% Umsatzwachstum und hohen Investitionen die sich langfristig auszahlen werden.

      VG Basti

Schreibe einen Kommentar